Farnborough
Trübe Aussichten für die Rüstungsbranche

Während Airbus und Boeing Milliardenaufträge einsammeln, fehlen der Rüstungsbranche auf der Luftfahrtmesse in Farnborough die großen Deals. Die wichtigsten Kunden sind klamm. Und im Ausland ist die Konkurrenz groß.
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London/DüsseldorfAuf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough haben die Rüstungskonzerne traditionell einen großen Auftritt - nicht nur bei der Flugshow zum Auftakt. Doch dieses Jahr stehen die Rüstungsriesen im Schatten der zivilen Luftfahrt. Während Airbus und Boeing Milliardenaufträge einsammeln, ringt die Rüstungsbranche um die großen Deals. Mit der Eurokrise sind die Etats der wichtigsten europäischen Kunden zusammengeschmolzen. Großaufträge aus Südeuropa sind in nächster Zeit nicht mehr zu erwarten. Im Gegenteil: Sogar um die Bezahlung bestehender Aufträge ist längst nicht mehr sicher.

Zuletzt war Spanien mit einer Zahlung an das Eurofighter-Konsortium in Verzug geraten. Die Lieferung von 46 bestellten Kampfjets wurde vorübergehend zurückgestellt. Keine guten Nachrichten für das Eurofighter-Konsortium von Finmeccanica, BAE Systems und EADS. Um die Unsicherheiten in Europa zu umgehen, sucht das Konsortium neue Kunden in den Golfstaaten. Mit dem Oman wurde bereits vor der Messe über einen Kauf von Thyphoon-Jets verhandelt - nun werden auch Gespräche mit dem Emirat Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführt.

Die europäischen Rüstungskonzerne brauchen dringend gute Nachrichten. Im Geschäft mit Kampfjets ist der Preiskampf ausgebrochen, bei der Entwicklung einer konkurrenzfähigen Drohne hängen die Europäer hinterher. "Wir müssen dringend wettbewerbsfähiger werden", sagte Finmeccanica-Chef Guisseppi Orsi. Anfang der Woche hatte das italienische Rüstungsimperium bekannt gegeben, sich künftig vollständig auf das Luftfahrt- und Rüstungsgeschäft konzentrieren zu wollen. Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, sollen für mehr als eine Milliarde Euro verkauft werden.

Europas Rüstungskonzerne wollen sich vor allem international besser aufstellen. Dort wartet das große Geschäft - doch der Preis spielt oft noch eine wichtigere Rolle als politische Seilschaften. Im Januar hatte der Rafale des französischen Flugzeugbauers Dassault dem Eurofighter-Konsortium einen 20 Milliarden-Dollar-schwere Rüstungsdeal über 126 Kampfjets mit Indien vor der Nase weggeschnappt. In Farnborough wirbt der Branchenriese Lockheed-Martin massiv für den F-35 Joint Strike Fighter. Dem Eurofighter Typhoon gehen die Käufer aus.

Während die europäischen Hersteller mit einem schwachen Heimatmarkt zu kämpfen haben, stützt das US-Militär trotz sinkender Ausgaben die US-Hersteller. Zum Beginn der Messe wurde ein Milliardengeschäft mit einer Tochter des Industriekonzerns United Technologies abgeschlossen. Sikorsky Aircraft habe einen Fünf-Jahres-Vertrag im Wert von 7,3 Milliarden Dollar unterzeichnet. Die UTC-Tochter soll unter anderem das Heer, die Marine und die Luftwaffe mit "Black Hawk"-Transporthubschraubern beliefern.

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