FDA-Berater votieren gegen Vermarktungsstopp
Bayer-Blutmedikament bleibt auf dem Markt

Der Bayer-Konzern muss sein umstrittenes Medikament Trasylol nicht vom Markt nehmen. Dafür hat sich ein Beratergremium der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA ausgesprochen. Das Mittel gegen Blutverlust bei Herzoperationen stand in den vergangenen Monaten unter dem Verdacht, die Zahl der Todesfälle bei solchen Operationen zu erhöhen.

HB FRANKFURT. Die Experten der FDA bescheinigten Trasylol nun jedoch ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis. Sie votierten mehrheitlich auch gegen verschärfte Warnhinweise auf dem Beipackzettel, forderten gleichzeitig aber eine weitere Studie, um Nutzen und mögliche Gefahren genauer zu analysieren. In aller Regel folgt die FDA den Empfehlungen ihrer Beratergremien.

Trasylol ist für die Bayer-Pharmasparte ein Produkt von mittlerer Bedeutung. Es erzielte 2005 noch einen Umsatz von fast 230 Mill. Euro, bevor im vergangenen Jahr die Erlöse unter dem Eindruck der Sicherheitsdebatte um mehr als ein Drittel schrumpften. Auch im ersten Halbjahr 2007 war das Geschäft noch rückläufig.

Vor diesem Hintergrund ist das Votum der FDA-Berater ein Erfolg für Bayer, der die wichtige Pharmasparte des Konzerns stärkt. Bereits in den vergangen Monaten verbuchte der Leverkusener Konzern eine Reihe von Fortschritten, die aus Sicht vieler externer Beobachter die Aussichten für das Arzneimittelgeschäft verbessern. So lieferte das Krebsmittel Nexavar weitere positive Daten in der Behandlung von Leberkrebs. Sie dürften insbesondere die Umsatzchancen des Medikaments in Asien stärken. Nexavar ist bisher bereits für den Einsatz gegen Nierenkrebs zugelassen.

Einen weiteren Pluspunkt hatte Bayer zur Jahresmitte mit den sehr guten Testresultaten beim potenziellen Thrombosemittel Rivaroxaban verbucht. In der Vorbeugung gegen Thrombosen bei Operationen zeigte die Substanz eine bessere Wirkung als das etablierte Standard-Präparat Enoxaparin. Das Mittel gilt damit als Blockbuster-Kandidat mit einem potenziellen Spitzenumsatz von deutlich mehr als einer Mrd. Euro, vor allem wenn es auch in der Schlaganfall-Prävention Erfolg haben sollte.

Viele Analysten gehen daher inzwischen davon aus, dass Bayer über relativ solide längerfristige Wachstumsperspektiven verfügt. Zudem sind für die nächsten Jahre kaum Patentabläufe zu erwarten. Die Bayer-Gesundheitssparte biete damit eines der attraktivsten Profile im Hinblick auf Wachstum und Risiko, schrieb gestern Thomas Gilbert von der Schweizer Bank UBS.

Im laufenden Geschäft konnte Bayer im ersten Halbjahr 2007 den Pharmaumsatz von 2,3 Mrd. Euro auf knapp 5,1 Mrd. Euro verdoppeln. Das Arzneimittelgeschäft erreicht damit gut 30 Prozent Anteil am Gesamtumsatz des Konzerns. Verantwortlich für den Umsatzsprung war in erster Linie die Integration der Schering AG, die Bayer Mitte 2006 übernommen hatte. Auf vergleichbarer Basis legte die Sparte um neun Prozent zu.

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