Feag
Siemens schickt Tochter in die Insolvenz

Am Dienstag wurde das Insolvenzverfahren über die Feag Fertigungscenter für Elektrische Anlagen GmbH eröffnet. An dem Unternehmen ist Siemens beteiligt. Doch der Elektroriese tut offenbar nichts, um die Tochter zu retten.

MÜNCHEN. Für den Weltkonzern Siemens ist die Beteiligung an der Feag nicht mehr als eine Fußnote im Geschäftsbericht. 600 Mitarbeiter und 110 Mill. Umsatz sind für den Koloss aus München eine vernachlässigbare Größe. In Erlangen, einem der größten Siemens-Standorte, schlagen die Wellen trotzdem hoch. Denn am Dienstag wurde das Insolvenzverfahren über die Feag eröffnet.

Pikant an der Sache ist nicht nur, dass ein Unternehmen Pleite geht, an dem Siemens mit 49 Prozent beteiligt ist. Viel ungewöhnlicher ist noch, dass Siemens offenbar nichts tut, um die Insolvenz abzuwenden. Der Technologiekonzern hätte es laut den Worten von Insolvenzverwalter Siegfried Beck durchaus in der Hand, die Feag zu retten. Denn die Zukunft der Erlanger Firma hänge „elementar vom Eingang neuer Aufträge ab“, teilte Beck gestern mit. Der Jurist fügte hinzu: „Größter Auftraggeber ist die frühere Muttergesellschaft Siemens.“

Feag baut an acht Standorten elektrotechnische Komponenten für Energieerzeugung, Verkehr und Industrie. Die Firma wurde 1996 als hundertprozentige Tochter von Siemens gegründet. Später trennte sich der Konzern von der Mehrheit.

Zur Zukunft von Feag wollte sich Siemens am Dienstag nicht äußern. „Wir sind nur Gesellschafter“, sagte ein Sprecher. In Erlangen wird derweil spekuliert, Siemens wolle die Firma schlicht loswerden. Betriebsrat und IG Metall sprechen von einem „katastrophalen Verhalten von Siemens als wichtigstem Gesellschafter und Kunden“.

Allein schon, dass es so weit gekommen sei, liege an Siemens, heißt es. Denn der Konzern hat Insidern zufolge verhindert, dass die Feag ihren Kreditrahmen ausschöpfen konnte, denn Siemens bürge dafür.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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