Fehlgeschlagene Absicherungsgeschäfte
Firmen leiden unter dem niedrigen Ölpreis

Der Ölpreis nähert sich der 40-Euro-Marke. Was für Autofahrer positiv ist, ärgert so manches Unternehmen. Viele Firmen haben sich durch Hedging gegen hohe Rohstoffpreise abgesichert und werden nun kalt erwischt. Sie müssen ihre Vorsicht teuer bezahlen.

fas/gil/jkn/mcs/mur/rp DÜSSELDORF. Vor allem die Fluggesellschaften sind einer Umfrage des Handelsblatt zufolge von fehlgeschlagenen Absicherungsgeschäften (Hedging) betroffen.

Der mehrjährige Boom hat an den Rohstoffmärkten Mitte des Jahres ein jähes Ende gefunden. Die weltweite konjunkturelle Eintrübung und die damit verbundene Nachfrageschwäche ließen die Preise auf breiter Front einbrechen. Gemessen am vielbeachteten CRB-Index, der die Preisentwicklung von 19 Rohstoffen abbildet, haben sich die Notierungen fast halbiert. Einzelne Metalle, beispielsweise Nickel, büßten noch deutlich stärker ein.

Auch die Rohölpreise, die bei den Fluggesellschaften eine entscheidende Rolle spielen, rutschten mit wachsendem Tempo nach unten. Seit den Rekordständen bei über 140 Dollar je Barrel (159 Liter) hat sich Rohöl auf weniger als 50 Dollar verbilligt. Diese Entwicklung konnten die Unternehmen nicht vorhersehen. Denn noch im Juni überboten sich die Auguren mit ihren Prognosen. Bei Rohöl scheute sich selbst Vertreter der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) nicht, Preise von über 200 Dollar je Barrel und mehr zu nennen. Heute würde sich das Ölkartell schon über Preise von 75 Dollar freuen.

Zu den Verlierern wegen dieses Preiseinbruchs zählt Lufthansa. Der Konzern hat in den zurückliegenden zwei Jahren rund 85 Prozent seines Treibstoffbedarfs durch Hedging abgesichert. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist der Saldo dieser Absicherung noch deutlich positiv. Nach Angaben von Finanzchef Stephan Gemkow hat die Kranich-Airline dadurch gut 600 Mio. Euro eingespart.

Zwar hat sich die Absicherungs-Quote durch den Ausfall des Sicherungs-Partners Lehman Brothers auf 72 Prozent reduziert, was den Leidensdruck beim Hedging etwas reduziert. Dennoch dürfte sich der positive Saldo spätestens in den kommenden Monaten und vor allem 2009 in einen negativen verwandeln, sollten die Ölpreise auf dem niedrigen Niveau bleiben. Wie hoch die Belastungen sein werden, ist offen. Laut Gemkow rechnet das Lufthansa-Management ab einem Ölpreis von 55 Dollar mit signifikanten Kostennachteilen gegenüber Wettbewerbern, die deutlich weniger auf eine Absicherung gesetzt haben. Erst bei einem Preis von 103 Dollar würde die deutsche Airline von ihren Hedging-Maßnahmen profitieren.

Die Folgen der schwachen Konjunktur und der korrigierten Marktbewertungen aus Absicherungspositionen zeigten sich bereits bei Air France-KLM. Der Gewinn brach im zweiten Quartal (30. September) um 96,2 Prozent auf nur noch 28 Mio. Euro ein. Ein großer Teil des Gewinnrückgangs liegt an den fehlgeschlagenen Absicherungsgeschäften. Ohne diesen Effekt hätte der Ergebnis-Rückgang lediglich 49 Prozent auf 244 Mio. Euro betragen. Air France sichert sich traditionell in hohem Maße gegen steigende Ölpreise mit Hedging ab.

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