Fehlspekulationen
Milliardär Merckle bittet um Staatshilfe

Der Ulmer Unternehmer Adolf Merckle soll knapp eine Milliarde Euro mit Fehlspekulationen auf fallende VW-Kurse verloren haben. Der Kurseinbruch bei Heidelberg Cement erhöht den Druck auf den Ratiopharm-Eigner - nun hofft Merckle auf die Bundesregierung.

STUTTGART. Starke Kursverluste bei Heidelberg Cement haben gestern den Druck auf die Firmengruppe des Ulmer Unternehmers Adolf Merckle weiter verschärft. Die Aktie des größten deutschen Baustoffkonzerns, an dem Merckle mit knapp 80 Prozent beteiligt ist, gab nach Berichten über die finanzielle Schieflage des Hauptaktionärs um mehr als ein Fünftel auf 40 Euro nach.

Merckle hat nach Informationen aus Bankenkreisen knapp eine Mrd. Euro mit Fehlspekulationen auf fallende VW-Kurse verloren und verhandelt nun mit mehr als drei Dutzend Banken über eine Refinanzierung seiner notleidenden Holding VEM Vermögensverwaltung. Die VW-Spekulationsgeschäfte liefen danach über die LBBW und die Commerzbank. Nach Informationen aus Finanzkreisen hat Merckle inzwischen bei der Bundesregierung um eine Liquiditätshilfe nachgefragt, ist in Berlin aber auf taube Ohren gestoßen. Nach einem Bericht der "FAZ" soll er auch beim Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg wegen einer Staatsbürgschaft vorgefühlt haben. VEM-Geschäftsführer Ludwig Merckle war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der knapp 80-prozentige Anteil an Heidelberg Cement hat nach den gestrigen Kursverlusten nur noch einen Wert von rund vier Mrd. Euro und liegt damit deutlich unter den Einstiegskursen von Merckle. Der Ulmer Unternehmer hat den Löwenanteil der Heidelcement-Aktien zu Kursen zwischen 60 und 119 Euro erworben. Insgesamt dürfte er seit Anfang 2005 etwa 5,5 Mrd. Euro in den Baustoffkonzern investiert haben, einen Großteil davon kreditfinanziert.

Heidelberg Cement selbst ist nach der Übernahme des britischen Konzerns Hanson im vergangenen Jahr mit zwölf Mrd. Euro ebenfalls hoch verschuldet und verzeichnete in den letzten Wochen einen deutlichen Vertrauensverlust an den Kreditmärkten. Viele Beobachter gehen daher davon aus, dass Merckle sowohl zur Refinanzierung von VEM als auch für die Heidelberger frische Liquidität benötigt. Ein Verkauf der Pharmafirma Ratiopharm, die ebenfalls zur Merckle-Gruppe gehört, gilt daher inzwischen als ausgemacht.

Heidelberg-Cement-Chef Bernd Scheifele macht ausschließlich die Spekulationen um Merckle für den Kurseinbruch bei dem Baustoffhersteller verantwortlich. "Unsere fundamentalen Zahlen sind gut. Wir haben unsere Prognose mit zweistelligem Wachstum bei Umsatz und Gewinn in der vergangenen Woche bestätigt", sagte Scheifele dem Handelsblatt. Er räumte zwar ein, dass die 14 Mrd. Euro teure Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson zwar heute sicher billiger wäre, aber man würde das Geld wohl nicht mehr bekommen. Der Vorstandschef verteidigt die Übernahme. "Wir haben zwar mit Hanson ein Unternehmen gekauft zu einer Zeit, als die Preise noch höher waren. Aber wir haben auch mit Maxit für über 2,1 Mrd. Euro und Vicat für 1,4 Mrd. zwei Beteiligungen zu guten Preisen verkauft", betonte Scheifele. Man müsse alle drei Transaktionen im Zusammenhang sehen.

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