Feilen am Image
Gazprom geht in Europa in die Offensive

Nach dem Start des politisch brisanten Ostseepipeline-Projekts geht der russische Gaskonzern Gazprom in eine Marketing-Offensive.

BERLIN. Mit einer Reihe von Diskussionsrunden wie am Dienstag im noblen Berliner Hotel Adlon in Anwesenheit von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will der staatlich kontrollierte Konzern sein Image in Europa aufpolieren. Am strategischen Ziel lässt Gazprom dabei keinen Zweifel: "Wir wollen näher an unsere Kunden heran", sagte der Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Gazprom ziele zwar nicht darauf, an den privaten Verbraucher zu liefern, aber "ein direkter Zugang zu industriellen oder kommerziellen Kunden" sei wünschenswert, sagte Medwedjew, der Gazprom in zehn Jahren als globalen Energiekonzern sieht.

In gut einer halben Dekade könne Gazprom bereits eine Marktkapitalisierung von gut 300 Mrd. erreichen. Damit würde der Konzern an BP, dem zweitgrößten Ölmulti der Welt, vorbeiziehen. Dessen Börsenwert liegt derzeit bei 235 Mrd. Dollar. Gazprom hat mit der Übernahme des russischen Ölkonzerns Sibneft in diesem Jahr sein Portfolio bereits stark erweitert.

Nach Ansicht von Experten muss das aus dem sowjetischen Energieministerium hervorgegangene Unternehmen aber noch eine Reihe von Hausaufgaben erledigen. Gazprom gilt mit über 300 000 Beschäftigten als wenig effizient, einzig das für das Exportgeschäft zuständige Tochterunternehmen Gazexport bildet eine Ausnahme.

Medwedjew ficht das nicht an. Man wolle nicht nur das Liefergeschäft in Europa auf Basis langlaufender Verträge ausbauen, sagte der Gazprom-Vize. Sein Unternehmen habe auch die USA und Asien sowie generell die Spot-Märkte im Blick. Doch auch wenn der Fokus auf diese Ziele eine Priorität genieße, bleibe der Stellenwert des europäischen Marktes hoch: "Wir sind in der Lage die Nachfrage zu decken", sagte Medwedjew.

Der Gasproduzent, der über ein Sechstel der aktuell bekannten Vorkommen verfügt und damit die Nummer eins in der Welt ist, hat in Europa außer Deutschland nun Großbritannien, Frankreich und Italien im Visier. Mit Eni verhandelt Gazprom derzeit über den Einstieg zum italienischen Gasmarkt, im Gegenzug könnte der Energiekonzern Zugang zu den Gazprom-Reserven in Russland bekommen. Gerüchten, dass die Gespräche vor einem Scheitern stehen, widersprach Medwedjew: Man wolle mit Eni zu einem Abschluss kommen.

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