Feindliche Kaufofferte von Alcan
"Weißer Ritter" könnte Pechiney noch retten

Der französische Aluminiumkonzern Pechiney ist nach der feindlichen Kaufofferte des kanadischen Aluminiumherstellers Alcan in Höhe von 3,4 Mrd. € in Zugzwang geraten.

HB/dpa NEW YORK. Die jahrelang unter Druck stehenden Pechiney-Aktien sind in Paris inzwischen drastisch gestiegen und notierten am Dienstagvormittag mit rund 42 €. Der Aufsichtsrat des viertgrößten Aluminiumherstellers der Welt wird sich rasch mit dem Angebot von 41 € je Aktie befassen.

Pechiney könnte nun durch einen Zusammenschluss mit einem „Weißen Ritter“ versuchen, der Übernahme zu entgehen oder ein höheres Angebot von Alcan sowie Positionen für seine Spitzenmanager aushandeln. Dies seien jetzt die Hauptoptionen für Pechiney, berichtete das „Wall Street Journal“ am Dienstag in seiner Onlineausgabe. Die Zeitung nannte die Bergwerks- und Metallgesellschaft Anglo American Plc und die norwegische Norsk Hydro als als mögliche Partner.

Die „New York Times“ verwies in ihrer Onlineausgabe ebenfalls auf Norsk Hydro. Norsk Hydro ist der drittgrößte Aluminiumproduzent der Welt nach der amerikanischen Alcoa und Alcan. Das australische Rohstoffunternehmen BHP Billiton Ltd. wird in Börsenspekulationen ebenfalls als möglicher Pechiney-Interessent genannt. Alcan-Chef Travis Engen wollte in einem Interview mit der „New York Times“ nicht sagen, ob Alcan bereit sei, den Preis aufzustocken.

Alcoa kommt nach Ansicht von Branchenkennern nicht als Pechiney-Retter in Frage, da eine Übernahme einen weltweit dominierenden Anbieter entstehen lassen würde. Ein Alcoa-Vorstoß würde somit praktisch unüberwindbare kartellrechtliche Probleme aufwerfen. Zudem hatte Alcoa in den vergangenen Jahren bereits mehrere große Akquisitionen durchgeführt und sich dabei hoch verschuldet. Die Gesellschaft befindet sich auf Sparkurs. Konzernchef Alain Belda hat Massenentlassungen vorgenommen, unwirtschaftliche Betriebe geschlossen und sich auf kostengünstige Aluminiumhütten konzentriert.

Die geplante Übernahme von Pechiney durch Alcan spielt sich vor dem Hintergrund schwacher Aluminiumpreise ab. Sie liegen jetzt bei rund 1400 Dollar je Tonne gegenüber 2200 Dollar je Tonne vor acht Jahren. Auch Russland und China haben zu dem weltweiten Überangebot beigetragen.

Alcan und Pechiney sind umsatzmäßig fast gleich groß und ergänzen sich von der Produktpalette und den Einzugsgebieten relativ gut. Alcan würde durch den Kauf mit einem Gesamtumsatz von 24 Mrd. $ und 88 000 Mitarbeitern umsatzmäßig vor Alcoa mit 20,6 Mrd. Dollar rücken. Alcan/Pechiney wäre aber mit einer Aluminiumproduktion von rund 3,1 Mill. Tonnen pro Jahr nach Alcoa weiterhin nur die welweite Nummer zwei.

Alcan, Pechiney und die schweizerische Alusuisse-Lonza Group AG (Algroup) hatten 1999 vergeblich versucht, eine Dreierfusion durchzuführen. Dies war am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. Alcan übernahm schließlich nur die Algroup. Jetzt ist Alcan bereit, den damaligen Bedenken der Aufsichtsbehörden Rechnung zu tragen. Damit will die kanadische Gesellschaft wegen des inzwischen deutlich niedrigeren Pechiney-Aktienkurses erheblich billiger als vor vier Jahren zum Zug kommen.

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