Feindliche Übernahme
Alu-Gigant steht vor hohen Hürden

Die Aluminiumindustrie steht vor einem Ruck: Der US-Konzern Alcoa versucht das kanadische Unternehmen Alcan zu übernehmen. Die Firma aus den USA lockt die Aktionäre des Konkurrenten dabei mit hohen Aufschlägen auf den tatsächlichen Kurs. Schwierigkeiten zeichnen sich allerdings vor allem in einem anderen Bereich ab.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Der weltweit führende US-Aluminiumkonzern Alcoa ruft mit einer feindlichen Übernahmeofferte für den kanadischen Konkurrenten Alcan über knapp 27 Mrd. Dollar voraussichtlich die Kartellbehörden auf den Plan. Ein gemeinsames Unternehmen Alcoa-Alcan würde die Branche mit einem kombinierten Umsatz von 54 Mrd. Dollar sowie einer Produktionskapazität von 7,8 Mill. Tonnen pro Jahr auf vielen großen Märkten dominieren. Experten rechnen damit, dass sich deshalb neben den USA und Kanada auch die EU-Kartellbehörde sowie die zuständigen Ämter in Australien und Brasilien zu Wort melden werden. Alcoa-Chef Alain Belda stellte bereits „gezielte Verkäufe“ von Unternehmensteilen in Aussicht und betonte, dass etwaige Kartellprobleme lösbar seien.

Zunächst muss Belda aber die Aktionäre des Konkurrenten von seiner Offerte überzeugen, nachdem Verhandlungen mit dem Alcan-Management zwei Jahre lang keinen Erfolg gebracht hatten. „Wir sind sehr enttäuscht, dass die Bemühungen nicht zu einem Geschäftsabschluss geführt haben – ein Ergebnis, das wir eindeutig bevorzugt hätten“, schrieb Belda.

Der Konzern aus Pittsburgh lockt Alcan-Aktionäre jetzt mit einem kombinierten Aktien- und Barangebot in Höhe von 73,25 Dollar je Alcan-Anteil und bietet damit einen Aufschlag von 32 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenkurs der vergangenen 30 Handelstage. Die Alcan-Aktie reagierte gestern an der Wall Street mit einem Sprung von 61 auf zeitweise 81 Dollar und kletterte damit deutlich über das Kaufgebot. „Das Geschäft wird über die Bühne gehen, aber nicht zu diesem Preis“, sagte Fondsmanager Kirk Schmitt von Victory Capital Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. Schon jetzt bietet Alcoa das Neunfache des Alcan-Betriebsergebnisses (Ebitda) von 2006. Zum Vergleich: Der Stahlkonzern Tata zahlte für den Konkurrenten Corus das 8,2fache, Mittal für den Stahlriesen Arcelor nach langer Übernahmeschlacht nur das 5,5fache Ebitda.

Die Übernahme sei dennoch sinnvoll, weil Alcoa im Verbund mit Alcan seine Größenvorteile im globalen Wettbewerb besser ausspielen könne, sagte Schmitt. Auch Alcoa-Aktien legten – ungewöhnlich für einen potenziellen Käufer – gut sechs Prozent auf rund 38 Dollar zu. Dank der hohen Aluminiumpreise hat die gesamte Branche Milliarden verdient.

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