Feindliche Übernahmen
Japans Firmen legen Rüstungen an

Die Angst vor „Heuschrecken “ hat auch Japan erreicht: Nach der gescheiterten Übernahme des Soßenherstellers Bull-Dog durch den Finanzinvestor Steel Partners fühlt sich die Industrie in ihren Schreckensvisionen bestätigt. Die Folge: Bedrohte Firmen rüsten sich zur Abwehrschlacht und unterstützen sich dabei auch gegenseitig.

TOKIO. Der US-Investor Steel Partners ist mit dem Versuch gescheitert, Japans größten Soßenhersteller Bull-Dog zu übernehmen. Ein Berufungsgericht in Tokio wies gestern eine Klage der Amerikaner gegen die Abwehrstrategie des Bull-Dog-Managements zurück.

Der Fall Bull-Dog steht beispielhaft für die Sorge japanischer Unternehmen vor feindlichen Übernahmen aus dem Ausland. Seit Japans Regierung das Land gegen den Widerstand der Industrie für ausländische Investoren öffnet, geht in den zahlreichen unterbewerteten Traditionsunternehmen die Angst vor Einkäufern aus Übersee um. Der historische Tiefstand des Yen macht japanische Aktien für internationale Investoren interessant. Rund ein Viertel der im Tokioter Börsenindex Topix gelisteten Unternehmen notieren unter ihrem Buchwert, hat die Nachrichtenagentur Bloomberg ausgerechnet. Für die Titel im europäischen Index Dow Jones Stoxx 600 liegt der Wert nur bei 1,5 Prozent.

Die Angreifer haben reichlich Geld. Allein die Investmentfirma Kohlberg Kravis Roberts legt gerade einen Fonds auf, der zwei Mrd. Dollar für Übernahmen in Japan zur Verfügung hat. Im vergangenen Jahr erlebte Japans Wirtschaft 76 Übernahmeversuche durch öffentliche Aktienangebote, 26 mehr als 2005. Der Wert der Angebote stieg um 17 Prozent auf drei Bill. Yen. Erste Unternehmen arbeiten zum Schutz an Überkreuzbeteiligungen.

Einer Umfrage zufolge besitzt bereits jedes zehnte börsennotierte Unternehmen Schutzmechanismen. Auf den Hauptversammlungen Ende Juni waren Abwehrmittel gegen ausländische Fonds das meistdiskutierte Thema. Das zweite heiß umkämpfte Übernahmeziel von Steel Partners, der Sägenhersteller Tenryu, beschloss ein umfangreiches Paket zur Verteidigung gegen das Angebot.

Bei Bull-Dog wollte der Fonds Steel Partners seinen zehnprozentigen Anteil über ein öffentliches Übernahmeangebot auf eine Mehrheit ausdehnen. Das erhöhte Gebot von 1 700 Yen pro Aktie bewertet das Unternehmen mit 32,3 Mrd. Yen und liegt beim 19,6-fachen des Gewinns vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des Soßenherstellers. Steel Partners bietet den Aktionären einen 22-prozentigen Aufschlag auf den Kurs am Tag vor dem Angebot, die Frist läuft bis August.

Doch das Bull-Dog-Management wehrt sich gegen die Übernahme: Bull-Dog gibt Optionen auf zusätzliche Aktien aus, bis der Anteil von Steel Partners unter drei Prozent beträgt. Der Fonds erhält Bargeld als Entschädigung für die Verwässerung seiner Anteile. Eine Sonderklausel im Vertrag zur Ausgabe der Aktien sieht vor, dass allein Steel Partners Geld statt neuer Anteilsscheine erhält. Dieser Abwehrmechanismus ist zumindest in Japan neu und gilt nicht als komplett zuverlässig. Steel Partners sollte mit dem Geld einfach ein neues Übernahmeangebot starten, rät Analyst Tsutomu Fujita von Nikko Citigroup.

Das Oberste Gericht in Tokio unterstützte das Bull-Dog-Managements und entschied, Firmenchefin Shoko Ikeda habe das Wohl der Aktionäre und der Firma im Sinn. Im vergangenen Jahr war Steel Partners bereits mit dem Versuch gescheitert, einen Nudelhersteller zu übernehmen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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