Feindliche Übernahmeversuche
Das große Fressen

Der Stahlriese Arcelor bekommt es im Moment im Kampf um die feindliche Übernahme durch Mittal am eigenen Leib zu spüren: Abwehrstrategien und Vorbeugemaßnahmen gibt es reichlich, trotzdem stehen die Chancen für die Verteidiger nicht allzu gut.

FRANKFURT. So etwas nennt man wohl Ironie der Geschichte: Am Abend des 26. Januar wollte Guy Dollé, Chef des europäischen Stahlriesen Arcelor, eigentlich gerne die gelungene Übernahme des kanadischen Konkurrenten Dofasco feiern. Wochenlang hatte sich Arcelor einen harten Kampf mit Thyssen-Krupp um die wertvolle Beute geliefert. Am Ende machte Dollés Mannschaft das Rennen und erhielt den Zuschlag für 71 kanadische Dollar je Aktie.

Schnell machte sich Dollé auf den Weg nach Hamilton im Bundesstaat Ontario, um den so hart erfochtenen Zukauf in trockene Tücher zu bringen. Doch um elf Uhr abends klingelt sein Handy. Am Apparat ist Lakshmi Mittal, Gründer, Chef und Eigentümer des weltgrößten Stahlkonzerns. Was der weltläufige Inder Dollé zu sagen hat, dauert nicht lange: morgen, am Freitag den 27. Januar, werde er ein Angebot über 18,6 Mrd. Euro für Arcelor abgeben. Aus dem stolzen Käufer Dollé ist binnen weniger Minuten das Opfer einer feindlichen Übernahme geworden.

Der Arcelor-Chef zeigt sich verblüfft über Mittals Vorstoß. Nur einmal, Mitte Januar bei einem Essen in London, will sich der Manager mit dem schütteren grauen Haar und dem dünnen Schnurrbart für wenige Minuten mit Mittal über eine mögliche Fusion unterhalten haben – ganz zwanglos, ganz unverbindlich beim Aperitif. Und jetzt das.

Aber kam Mittals Coup tatsächlich so überraschend? Zumindest mit einer feindlichen Übernahme hatte Arcelor gerechnet und sich akribisch darauf vorbereitet. Längst hatte der Luxemburger Stahlkonzern ein so genanntes Defence Manual aufgestellt. Solche elektronischen Handbücher sind Basis jeder Abwehrstrategie, sie enthalten alles, was im Verteidigungsfall notwendig ist – von Telefonnummern von Bankern, Anwälten und Politikern bis hin zu vorformulierten Presseerklärungen.

Arcelor ging sogar noch einen Schritt weiter. Seit vergangenem Sommer hat der Konzern ein Team von internen und externen Experten installiert, das sich akribisch auf eine drohende feindliche Übernahme vorbereitet hat. „Handwerklich ist das sehr ordentlich“, kommentiert ein Frankfurter Investmentbanker. „Wer sich erst sortieren muss, wenn das feindliche Angebot auf den Tisch flattert, hat schon fast verloren.“

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