Feindlicher Übernahmeversuch durch Schaeffler
Attacke auf Conti nach allen Regeln der Kunst

Aus dem Nichts überraschend zugeschlagen: Der Angriff der Schaeffler-Gruppe auf Continental ist eine Attacke wie aus dem Lehrbuch. Die Franken agieren taktisch klug. Doch ein Selbstläufer ist die Übernahme des größeren Konkurrenten deshalb noch lange nicht.

FRANKFURT. Um 10.41 Uhr am Montagmorgen herrscht Gewissheit. Drei Sätze genügen dem Autozulieferer Conti, um einzuräumen, dass er mitten im Übernahmekampf steckt. "Die Continental AG bestätigt, dass am Ende der vergangenen Woche ein erstes, kurzes Gespräch über ein mögliches Engagement der Schaeffler-Gruppe an Continental stattgefunden hat", heißt es in der knappen Mitteilung. Weitere Gespräche hätten nicht stattgefunden. Das Tauziehen um die womöglich größte Firmenübernahme in diesem Jahr in Deutschland hat begonnen. Der Jäger Conti, der erst 2007 den Konkurrenten VDO übernahm, ist zum Gejagten geworden - und der erste Punkt geht klar an den Angreifer.

Es ist eine Attacke wie aus dem Lehrbuch für feindliche Übernahmen: Seit Wochen hat Schaeffler den Angriff vorbereitet, doch erst Freitag vergangener Woche kontaktieren die Herzogenauracher den wesentlich größeren Konkurrenten und lassen ihn in einem Gespräch wissen, dass man an einem Engagement interessiert sei. Auf lange Verhandlungen hinter den Kulissen lassen sich der Chef der Schaeffler-Gruppe, Jürgen Geißinger, und Unternehmens-Patronin Maria-Elisabeth Schaeffler nicht ein. Erst einen Tag später erfahren die Hannoveraner aus der Zeitung, dass Schaeffler eine Übernahme und die Zerschlagung von Conti plant. Man sei deshalb böse aufgewacht, heißt es in Hannover.

Eine Vorgehensweise, wie sie dem Stil des expansionswilligen Schwaben Geißinger entspricht. Kein langes Fackeln, minimalste Kommunikation und dann aus dem Nichts überraschend zuschlagen. Schon 2001 hat er die Übernahme des börsennotierten Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer auf ähnliche Weise eingefädelt. Auch deren verdutzter Chef Uwe Loos erhielt an einem Freitagabend einen Anruf von Geißinger, wenige Tage später legte Schaeffler bereits das Übernahmeangebot vor.

Knapp sieben Jahre später hat Geißinger wieder das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Das Management um Conti-Boss Manfred Wennemer wird vom Vorgehen der Franken überrumpelt. Noch am Montagmorgen sind die Hannoveraner dabei, ihre Verteidigungslinien zu organisieren. Selbst Conti-PR-Leute sind zunächst verunsichert, welche Marschrichtung der Konzern einschlagen soll. Rasch holt sich der Zulieferer Anwälte ins Boot. Wennemer kann dabei auf die Hilfe der renommierten Wirtschaftskanzlei Freshfields bauen, die auch Porsche im Kampf um das VW-Gesetz zu ihren Kunden zählt.

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