Ferdinand Piëch
Der Ehrgeiz eines Egozentrikers

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender des VW-Konzerns, betreibt seit längerem die Demontage von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder. Piëch hält ihn für den falschen Mann an der Spitze. Dabei geht es nicht ums Fachliche. Der Zwist hat einen tieferen Grund.

GENF Auf dem Messestand des VW-Konzerns in Genf ungläubige Mienen, bei der Konkurrenz verständnisloses Kopfschütteln: Ferdinand Piëch, nach dem Einstieg von Porsche als VW-Großaktionär als mächtigster Mann der europäischen Automobilindustrie beschrieben, hat wieder einmal zugeschlagen. Mit wohl dosierten Aussagen hat der unberechenbare Aufsichtsratsvorsitzende bei Europas größtem Automobilbauer seinen Konzernchef Bernd Pischetsrieder beschädigt. So stark, dass dieser nach Meinung selbst von VW-Managern seinen Posten eigentlich zur Verfügung stellen müsste. Dabei war es Piëch selbst, der den ehemaligen BMW-Chef nach Wolfsburg gelockt und 2002 zu seinem Nachfolger gemacht hatte.

Piëchs Schachzug, in einem Interview die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zum großen Pischetsrieder-Gegner aufzubauen, die die bereits zwischen den Großaktionären vereinbarte Verlängerung des Vertrags mit dem Vorstandschef verhindern wollen, ist die vorerst letzte Machtdemonstration des egozentrischen Österreichers. Die Beziehung war aber zuvor schon zerrüttet. Piëch, dem von Weggefährten neben einem starken Machtbewusstsein nachgesagt wird, dass er immer „drei Züge vorausdenkt“, wusste genau, was er mit seinen Äußerungen anrichtet. Darüber, was die aktuellen Beweggründe sind und wie seine Strategie für die Ära nach Pischetsrieder aussieht, herrscht dagegen in der Branche Rätselraten.

Porsche-Enkel Piëch ließ zuletzt immer öfter die Muskeln in Wolfsburg spielen. Während er sich 2002 direkt nach dem Abschied von der VW-Spitze unerwartet selten in Wolfsburg zeigte, kündigte er bereits im Sommer an, sein Büro im VW-Hochhaus nun wieder deutlich öfter anzusteuern.

Offenkundig machte er seinen Machtanspruch nach dem Porsche-Einstieg bei VW bei der Berufung des Nachfolgers für den ehemaligen Wegbegleiter Peter Hartz als VW-Konzern-Personalchef. Während Pischetsrieder mehrfach öffentlich wiederholt hatte, dass er einen externen Kandidaten favorisiert, drückte Piëch mit den Stimmen der Arbeitnehmerbank den ehemaligen Audi-Arbeitsdirektor Horst Neumann durch. Pischetsrieder schwieg.

Zuvor hatte sich der amtierende Konzernchef im Streit über eine mögliche Interessenkollision von Piëch als VW-Aufsichtsratschef, Miteigentümer des Großaktionärs Porsche und des größten VW-Händlers in Europa, wenn auch vorsichtig, auf die Seite von Piëch-Gegenspieler Christian Wulff gestellt. Zwischen Piëch und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten und Vertreter des über lange Jahre größten VW-Anteilseigners im Aufsichtsrat hatte es immer wieder Streit gegeben. Zuletzt versuchte Wulff, seinen Gegenspieler mit einem Gutachten aus dem Aufsichtsrat zu drängen, das letztlich vom VW-Management initiiert worden war. Piëch ließ Wulff abblitzen und zeigte Pischetsrieder mit der Entscheidung für Neumann, wo die Macht sitzt.

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