Ferdinand Piëch sagt im VW-Prozess aus
Ein König und zwei lästige Untertanen

Das Maß dieses Tages, das Maß der Herabschrumpfung, sind aber eher die geschätzten zehn Meter in vertikaler und einen Meter in horizontaler Richtung: Richterin Dreyer, immer mit der ihr eigenen leicht unsicher klingenden Stimme, sitzt weit weg von Piëch. Und sie thront - trotz eines Einkommensunterschiedes von sicher vielen Millionen - weit über ihm. Die Richterbank ist hoch gebaut. Dreyer fragt, wenn auch höflich, von oben herab.

Herrn Piëch aber, den König, stört das nicht sonderlich. Er hat auf alles eine Antwort parat, wenn auch vieles im Ungefähren bleibt. "Kann sein, weiß ich nicht", sagt er oft mit gefrierendem Grinsen, "ist mir nicht bekannt" oder "in meiner Erinnerung nie."

Kein Wissen über das, was los war in seinem Reich, bei VW? Kleine Gedächtnisstütze: Da sind die beiden Angeklagten zur rechten, die reichlich mit Geld und Frauen hantiert haben, und das alles auf Konzernkosten. Untreue im Juristendeutsch. Der eine, der Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert, soll unter anderem Sonderboni in Millionenhöhe verlangt und erhalten haben. Seine Geliebte wurde zugleich per Scheinvertrag von VW ausgehalten. Der andere, Klaus-Joachim Gebauer, organisierte Lustreisen, um die Betriebsräte "kooperationsbereit" zu halten.

Doch beide behaupten, dass sie nur bessere Knechte waren, dass der König, von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender, höchstselbst zumindest Bescheid wusste, was sie trieben. Strafmilderung ist die Strategie der Angeklagten, denn dem Hochwohlgeborenen seien jedenfalls auch die Niederungen seines Reiches bekannt gewesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%