Fernsehgeräte-Anbieter forciert das Auslandsgeschäft
Grundig kommt wieder auf die Beine

Mit zehn Prozent Marktanteil sieht sich Deutschlands bekanntester Fernsehgeräte-Anbieter Grundig Intermedia GmbH wieder in der ersten Liga der Unterhaltungsgeräte-Branche hier zu Lande. Jetzt wollen die Nürnberger das Geschäft im Ausland forcieren, und zu alter Größe zurückkehren.

NÜRNBERG. „Wir haben das Comeback in kurzer Zeit geschafft“, sagte Grundig-Chef Hubert Roth. Der türkische Elektronik-Konzern Beko und der britische Unterhaltungsgeräte-Anbieter Alba hatten das Unternehmen im Frühjahr 2004 für 80 Mill. Euro aus der Insolvenzmasse der Grundig AG übernommen.

Während der Insolvenz erreichte Grundig bei Fernsehern einen Marktanteil von kaum vier Prozent. Das schnelle Wachstum auf zehn Prozent hat allerdings einen hohen Preis, denn Grundig erreicht diesen Wert nur mengenmäßig. Vom Wert her sind es laut GfK nur acht Prozent.

Roth will aber auch vom Wert her die zehn Prozent schaffen. Dabei nimmt der Wettbewerb selbst im eigenen Hause zu: Die Konzernmutter Beko beliefert seit einigen Wochen exklusiv die neu gegründete Unterhaltungsgeräte-Marke „Phocus“, die 2005 mehr als 300 Mill. Euro Umsatz einfahren will. Das wäre deutlich mehr als Grundig im letzten Geschäftsjahr erwirtschaftete.

Unter Führung von Winfried Hoffmann, dem früheren Chef von Fujitsu-Siemens Computers, präsentiert sich „Phocus“ kommende Woche auf der IT-Messe Cebit erstmals dem Fachpublikum. In Real-Supermärkten und Karstadt-Kaufhäusern gibt es die TV-Geräte und Videorekorder bereits – mit der Technologie, die auch Grundig verwendet.

Denn eigene Werke besitzt Grundig nicht mehr. Allerdings werde Beko für seine Nürnberger Tochter bald eine eigene Fertigungsreihe eröffnen, unterstreicht Roth: „Wir verkaufen wieder so viele Fernseher, dass sich das lohnt.“

Der Grundig-Chef bleibt daher bei seinem Ziel, im neuen Geschäftsjahr (Start 1. April) 500 Mill. Euro umzusetzen. In drei Jahren soll es eine Milliarde sein. Damit würde Grundig an das Niveau des Jahres 2000 anknüpfen. Dazu hat der Manager die Produktpalette kräftig erweitert, etwa um MP3-Player. Zudem zeigt Lizenznehmer Vitelcom auf der Cebit erstmals Grundig-Handys.

Den Anteil der Auslandserlöse von derzeit 50 Prozent will Grundig kräftig steigern. Deshalb greifen die Anteilseigner den Franken unter die Arme. Beko baut für Grundig den Vertrieb in der Türkei auf, Alba übernimmt den Verkauf in Großbritannien. In ganz Europa hat Grundig Aufholbedarf, denn der Marktanteil liegt bei nur 1,4 Prozent. Marktführer Sony erreicht 15,5 Prozent.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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