Fernsehgeschäft
Philips trennt sich mehrheitlich von Sorgenkind

Der niederländische Elektronik-Konzern Philips bekommt sein Sorgenkind nicht in den Griff. Deshalb trennt er sich nun mehrheitlich von der verlustreichen TV-Sparte und bringt sie in ein Gemeinschaftsunternehmen ein.
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Amsterdam, FrankfurtDer im April angetretene Vorstandschef Frans van Houten macht gleich Nägel mit Köpfen: Der niederländische Philips-Konzern hat heute bekanntgegeben, seine defizitäre TV-Sparte in ein Joint Venture mit dem chinesischen Bildschirmhersteller TPV einzubringen.

Sein Vorgänger Gerard Kleisterlee hatte es in den vergangenen Monaten nicht geschafft, das Fernsehgeschäft in die schwarzen Zahlen zurückzuführen. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt im Herbst 2010 hatte er jedoch betont, dass die Marke Philips bei den Kunden zu einem großen Teil für Fernseher stehe. Deshalb hat Philips fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht, die Marke am Leben zu erhalten, ohne weitere Verluste einzufahren.

Das TV-Geschäft ist schon seit längerer Zeit das Sorgenkind von Philips. Der niederländische Konzern hatte im vergangenen Jahr operativ 125 Millionen Euro Verlust mit Fernsehgeräten gemacht. Allein im ersten Quartal 2011 lief mit 106 Millionen Euro ein ähnlich hoher Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) auf, wie am Montag bekannt wurde. Er war mehr als fünfmal so hoch wie vor einem Jahr. Nach Steuern machte die Sparte einen Quartalsverlust von 87 Millionen Euro. Damit rückte das Ziel in weite Ferne, mit ihr in diesem Jahr endlich in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. Seit 2007 beläuft sich der Fehlbetrag der Sparte auf rund eine Milliarde Euro.

Der Ausstieg von Philips ist ein weiteres Kapitel in dem langen Niedergang der europäischen TV-Industrie, dem bereits traditionsreiche Firmen wie Grundig, Schneider oder Telefunken zum Opfer fielen. Die Holländer hatten schwer unter der billigeren Konkurrenz aus Asien zu leiden. Außerdem machte ihnen der Versuch zu schaffen, die Lagerbestände zu verringern. Händler bestellen deshalb kaum mehr nach. Besonders in den Industrieländern sind die Geräte wenig gefragt.

Auch der größte deutsche TV-Hersteller Loewe, dessen Geräte im Schnitt noch deutlich teurer sind als die von Philips, kämpft derzeit mit schwachen Absatzzahlen und meldete Kurzarbeit an.

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