Ferrero
Schweres, süßes Erbe

26 süße Marken gehören zu Ferrero, Nutella ist die bekannteste. Auch Überraschungs-Eier, Mon Chéri, Duplo und Hanuta stammen aus dem italienischen Schokoladenimperium. Doch so erfolgreich und erfinderisch das Unternehmen in der Vergangenheit war - es gehen ihm die Ideen aus.
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ROM. Wenn Michele Ferrero seinen Besuch angekündigt hatte, wurden die zwei Dutzend wichtigsten Manager der Deutschland-Zentrale eine halbe Stunde vor seinem Eintreffen aus den Büros gerufen. Sie stellten sich im Foyer der Ferrero-Zentrale am Hainer Weg in Frankfurt/Main in zwei Reihen auf, ordneten die Krawatten, nahmen Haltung an und warteten auf ihren Einsatz. Fuhr Don Michele dann vor, schritt durch das Spalier und grüßte jovial "Buongiorno, Signori", dann applaudierten die Herren.

Der das erzählt, hat selber oft da gestanden und mitgeklatscht und empfindet bis heute eine Hassliebe für den ehemaligen Arbeitgeber. "Ein wunderbares Unternehmen", sagt er, "aber dieser Personenkult!" Man sei "Leibeigener dort". Dem Chef zu widersprechen, wenn er später am Konferenztisch seinen Koffer öffnete und die neueste, stets von ihm selbst entwickelte Nasch-Kreation vorstellte, war ausgeschlossen. Alle Manager lobten Micheles Schmankerl "in den höchsten Tönen".

Andererseits war es schon damals eine Auszeichnung, für Europas erfolgreichstes Süßwarenunternehmen arbeiten zu dürfen. Und das Patriarchalische an dem Betrieb hatte ja auch sein Gutes. Kurz vor Weihnachten flogen die deutschen Manager nach Turin, wo Patron Michele über einem Ferrero-Café sein Stadtbüro unterhielt. Jedem überreichte er einen Umschlag mit Barem, in späteren Jahren einen Scheck. Manche fanden im Kuvert 20 000 oder 25 000 Mark, Altgediente kamen auf das Drei- oder Vierfache - zusätzlich zu Gehältern, die inklusive Leistungszulagen ohnehin ein Fünftel über dem Üblichen in der Konsumgüterbranche lagen und heute noch liegen.

Ferrero. Manche der Marken sind Kult, manche begründeten neue Produktgenres. Nuss-Nougat-Brotaufstrich gibt es erst, seit Micheles Vater Pietro kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit Haselnüssen und Kakaocreme experimentierte. Er nutzte die Haselnüsse aus der Region, weil der importierte Kakao zu teuer geworden war. Sohn Michele entwickelte aus dem Produkt in den Sechzigerjahren Nutella. Überraschungs-Ei? Das Original kommt seit 30 Jahren von Ferrero und hat eine enorme Fangemeinde. Mon Chéri, Kinder Schokolade, Duplo, Hanuta, Raffaello Rocher - 26 Ferrero-Marken finden sich in den Regalen deutscher Supermärkte. Alle selbst entwickelt. Nie hat Ferrero Marken hinzugekauft. Nie welche verkauft. Nie diversifiziert.

Kein Konkurrent machte 2006 hierzulande mehr Umsatz mit Schokokram, Süßem zu Ostern, Riegeln und Pralinen aus dem Supermarktregal: 1,4 Milliarden Euro waren es bei Ferrero. Viermal so viel wie beim amerikanischen Lebensmittel-Multi Kraft-Foods mit Nasch-Marken wie Milka und Toblerone. Im globalen Ranking des Süßwarenmarktes ist Ferrero hinter Masterfoods und Nestlé die Nummer drei.

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