Ferretti strebt an die Börse
Run auf Luxusyachten aus Italien

Italiens Hersteller von Sport- und Segelbooten erfreuen sich einer steigenden Nachfrage, Luxusyachten laufen besonders gut.

MAILAND. Der Sportboot-Hersteller Ferretti Group will noch in diesem Jahr an die Börse. Doch auch Private-Equity-Investoren haben bereits ihr Interesse an dem Unternehmen angemeldet. Mit einem Umsatz von 770 Mill. Euro ist Ferretti einer der größten Sportboote-Hersteller weltweit.

„Der Börsengang bleibt kurzfristig unser wichtiges Ziel. In der Zwischenzeit sind jedoch neue Elemente aufgetaucht, die uns schmeicheln: Die Gruppe hat die Aufmerksamkeit von Investmentfonds auf sich gezogen, die mit den Aktionären sprechen“, sagte Gabriele Del Torchio, Vorstandschef der Ferretti Group, gestern in Genua. Man habe sich für ein so genanntes Dual-Track-Verfahren entschieden, das gleichzeitig die Börsennotierung und den Verkauf an einen Fonds vorantreibt, sagte er. Als Interessenten werden in Italien die Private-Equity-Fonds BC Partners, Blackstone und KKR genannt. Vor vier Jahren hatte die Private-Equity-Gesellschaft Permira 70 Prozent an Ferretti gekauft und das Unternehmen von der Börse genommen. Mit der Rückkehr an den Aktienmarkt Ende November oder Anfang Dezember wollte der Bootsbauer vor allem die geplante Expansion in China finanzieren.

Das im Jahr 1968 von Alessandro und Norberto Ferretti gegründete Unternehmen, das unter anderem die Marken Riva und Aprea produziert, ist vor allem für seine Luxusyachten zu Preisen von bis zu 45 Mill. Euro bekannt. Dabei machte der Export rund drei Viertel des Geschäfts aus. Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende August endete, steigerte das Unternehmen mit Sitz im norditalienischen Forlì den Umsatz um 18 Prozent, während das der Nettogewinn auf 25,3 Mill. Euro kletterte, nach einem Verlust von acht Mill. Euro im Vorjahr. Die Zahl der ausgelieferten Boote stieg von 419 auf 461.

Das Wachstum von Ferretti ist beispielhaft für die Branche, die seit Jahren zulegt (siehe Grafik). Auch die ersten sechs Monate 2006 zeigen mit einem Plus von neun Prozent, dass der Wachstumstrend der Branche auch in diesem Jahr anhält. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Beschäftigten im Bau von Segel- und Motoryachten gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel auf 18 000 gestiegen. Hinzu kommt eine breit gefächerte Zuliefererindustrie, die nicht nur aus Motorenbauern und anderen Technik-Anbietern besteht. Von dem positiven Trend profitieren auch Innenarchitekten und Möbelhersteller, die auf die Ausstattung von Booten spezialisiert sind.

Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland treibt die Produktion an. Außer Frankreich und Großbritannien bleiben die USA einer der Hauptabnehmer der italienischen Segel- und Motorboote. Aber auch andere Länder– vor allem in Osteuropa – mausern sich zu interessanten Märkten. Bei den Luxus-Yachten etwa – wo die Italiener weltweit die Nummer eins sind – setzen die Hersteller auch auf die Reichen Russlands, wo bereits rund 1 000 Luxus-Boote registriert sind. Der Hersteller Azimut-Benetti, mit 700 Mill. Euro Umsatz die Nummer zwei in Italien – registriert auch im Nahen Osten und der Golf-Region eine steigende Nachfrage.

Auf dem Heimatmarkt könnten sich dagegen steuerliche Änderungen künftig negativ auf den Yacht-Absatz auswirken. Das befürchtet Anton Francesco Albertoni, Präsident des Branchenverbands Ucina (Unione Nazionale Cantieri e Industrie Nautiche ed Affini ). Vor allem die angekündigte Bekämpfung der Steuerhinterziehung in Italien, könnte potenzielle Kunden vom Kauf auffälliger Boote abhalten. „Wir wissen, wie schädlich schon Andeutungen einer neuen Jagd auf Steuersünder sein können“, sagte er der Zeitung Finanza & Mercati. Denn die Steuerfahndung basierte in der Vergangenheit häufig auf den Listen von Luxusyacht-Besitzern. Und in Sardinien vergrault Regions-Präsident Renato Soru nicht ortsansässige Yacht-Touristen mit gepfefferten Liegegebühren.

Branche im Aufwind

Starkes Wachstum: Die Branche der Bootsbauer erfreut sich seit Jahren hoher Wachstumsraten. Auch die Zahl der Beschäftigten steigt. Die Lust am Wasser nimmt in Italien und im Ausland zu.

Hohe Exportquoten: Rund zwei Drittel der in Italien hergestellten Boote werden exportiert. Damit ist das Land einer der wichtigsten Anbieter von Sportbooten weltweit.

Hohe Preise Vor allem das Top-Segment der Luxusyachten, die in der Regel einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern, läuft gut. Hier ist die Ferretti-Gruppe Weltmarktführer.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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