Ferrostaal
Neuanfang mit 1000 Stellen weniger

Einst galt der Anlagenbauer Ferrostaal als Perle der deutschen Industrie. Dann kam die Schmiergeldaffäre um Millionenzahlungen etwa für U-Boot-Aufträge. Der Neuanfang beginnt mit Personalabbau und neuem Chef.
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Essen/HamburgDer Essener Anlagenbaukonzern Ferrostaal baut nach der Übernahme durch die Hamburger Beteiligungsgesellschaft MPC und eine Investorengruppe aus Abu Dhabi erheblich Personal ab. Die Mitarbeiterzahl werde bis Ende März von früher 5.300 auf rund 4.300 schrumpfen, sagte ein Firmensprecher am Donnerstag in Essen. Abfindungsgespräche liefen bereits seit Jahresbeginn. Die Ende 2011 angekündigte Übernahme sei inzwischen offiziell vollzogen, teilte Ferrostaal mit. Das Unternehmen werde in „MPC Ferrostaal GmbH“ umbenannt, der bisherige Chef Jan Secher verlässt die Firma.

Ferrostaal gehörte bisher dem Münchner Lastwagenhersteller MAN und dem Abu Dhabi-Staatsfonds IPIC. Das Unternehmen mit rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz (2010) baut Großanlagen im Ausland und wickelt seit vielen Jahren für deutsche Industrieunternehmen Auslandsgeschäfte - auch mit Rüstungsgütern - ab. Nach Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe etwa beim Verkauf von U-Booten nach Griechenland und Portugal war heftiger Streit zwischen den Eigentümern ausgebrochen. Er endete Ende 2011 im Verkauf des Unternehmens an MPC für bis zu 160 Millionen Euro.

Für die Zukunft zeigte sich MPC optimistisch. „Die DNA des neuen Unternehmens ist intakt“, erklärten die künftigen Unternehmenschefs Klaus Lesker - ein ehemaliger Ferrostaal-Vorstand - und MPC-Miteigentümer John Benjamin Schroeder. „Der erfreuliche Auftragseingang seit Beginn dieses Jahres und eine Reihe vielversprechender Projekte (...) geben allen Grund, zu Beginn der neuen Ära optimistisch in die Zukunft zu schauen“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des neuen Managements. Die MPC Ferrostaal werde schnell wieder zur Höchstform auflaufen.

Der Auftragseingang von Ferrostaal war in den vergangenen Jahren wegen der Krise von 1,6 Milliarden Euro (2009) auf 800 Millionen Euro (2010) eingebrochen. 2011 lag er nach früheren Angaben noch niedriger bei rund 700 Millionen. Es werde für das abgelaufene Geschäftsjahr ein dreistelliger Millionenverlust erwartet, sagte der Firmensprecher am Donnerstag. Die Höhe erkläre sich aber auch durch das Bußgeld von knapp 140 Millionen Euro, das Ferrostaal nach einem Urteil des Landgerichts München wegen der Affäre zahlen muss. Außerdem waren hohe Kosten für die interne Aufklärung des Skandals angefallen. Operativ habe Ferrostaal sogar 2011 schwarze Zahlen geschrieben, sagte der Sprecher.

Gegen den künftigen Firmenchef Lesker läuft nach den Worten des Firmensprechers noch ein Ermittlungsverfahren wegen der Affäre. Wesentliche Punkte seien dabei aber schon als gegenstandslos fallengelassen worden. Ferrostaal rechne mit einer völligen Entlastung Leskers, sagte der Sprecher.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wie immer: Die Mitarbeiter zahlen die Zeche....

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