Fertigung in Italien statt Nürnberg
Streik kann für AEG-ler zum Bumerang werden

Das AEG-Werk in Nürnberg wird seit Wochen bestreikt, jetzt auch mit Unterstützung anderer Metaller. Konzernmutter Electrolux hat nun aber einen Ausweg aus der für sie unangenehmen Situation gefunden: Sie lässt in italienischen Werken fertigen.

HB NÜRNBERG. Rund 3 500 Beschäftigte verschiedener deutscher Hausgerätehersteller haben sich am Dienstag in Nürnberg mit den streikenden AEG-Mitarbeitern solidarisiert. Bei einem gemeinsamen Demonstrationszug vom Hauptbahnhof zu dem Werk demonstrierten sie mit lauten Pfeiffkonzerten und forderten den Erhalt des Nürnberger AEG-Werks. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Beschäftigte der Hausgerätehersteller Miele, Siemens und Bauknecht.

Das Werk, in dem Waschmaschinen und Geschirrspüler gefertigt werden, wird seit 20. Januar bestreikt. Die Produktion soll nach dem Willen von Electrolux bis Ende 2007 schrittweise zum größten Teil nach Polen verlagert werden. Verhandlungen zwischen IG Metall und Geschäftsleitung über den Erhalt des Standorts sowie einen Sozialtarifvertrag für die von der Schließung betroffenen rund 1 700 Mitarbeiter blieben bisher ergebnislos. Am Mittwoch sollen die Gespräche fortgesetzt werden. Nach Angaben der IG Metall soll dabei auch über die Zukunft der Bereiche Logistik und Service geredet werden, die Electrolux aus dem Metall-Tarifvertrag ausgliedert hat.

Der Streik hat bereits Lieferengpässe zur Folge. Vor allem die Aufträge großer Verbrauchermarkt-Ketten könnten inzwischen nicht mehr erfüllt werden, berichtete Streikleiter Jürgen Wechsler am Montag. Ein Sprecher der IG Metall erklärte dazu, es sei Ziel eines jeden Arbeitskampfes, die Gegenseite wirtschaftlich zu treffen. Offenbar habe Electrolux nicht damit gerechnet, dass der Kampf um den Bestand des traditionsreichen AEG-Werks eine solche Dimension erhalte.

Doch Electrolux weiß sich zu helfen. Ein AEG-Sprecher bestätigte, dass der Konzern derzeit die Produktion von Geschirrspülern in andere Werke, insbesondere nach Italien, verlagere. Bereits jede zweite bisher in Nürnberg gefertigte Spülmaschine werde in anderen Werken gefertigt. Jeder Streiktag führe zudem zu einer noch schnelleren Verlagerung der Nürnberger Produktion in ausländische Werke.

Auf einer Kundgebung am Dienstag betonte Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer unbeeindruckt: „Wir werden weiter um unsere Arbeitsplätze kämpfen. Wir wollen heute ein Zeichen setzten gegen Unternehmerwillkür, gegen Gier und Profitsucht“. Zugleich kritisierte Neugebauer, dass der schwedische Mutterkonzern Electrolux bisher alle Vorschläge zum Erhalt des Nürnberger Werkes abgelehnt habe.

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