Fertigung von Waschmaschinen und Kühlschränken wird zunehmend verlagert
Hausgeräte-Hersteller erobern die Märkte Osteuropas

Die Hersteller von Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Kochherde bauen auf Osteuropa: „Die Region ist für uns ein klarer Wachstumsmarkt“, sagt Peter Götz, Bereichsleiter Vertrieb der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH. Er rechnet für die nächsten Jahre mit zweistelligen Wachstumsraten für die Märkte von Tschechien bis Russland.

DÜSSELDORF. Auch Wolfgang König, Europa- Chef des Hausgerätebereichs bei Weltmarktführer Electrolux, ist optimistisch. Er schätzt den Markt in Osteuropa bereits auf etwa 20 bis 22 Mill. Geräte pro Jahr gegenüber rund 80 Mill. in Westeuropa.

Während der Absatz in Deutschland schrumpft und in Ländern wie Großbritannien, Spanien und Italien nur mit mäßigen Raten von 2 bis 3 % wächst, winkt Osteuropa mit einem ungebrochenen Boom. „Der Nachholbedarf ist riesig“, sagt König. Viele Konsumenten tauschen ihre einfachen Geräte aus früheren Zeiten in moderne Westmodelle, weil sie einen höheren Lebensstandard erreicht haben.

In einigen Ländern hat sich bereits eine kaufkräftige Mittelschicht entwickelt. Länder wie Rumänien haben ihre Nachfrage im vorigen Jahr um rund 50 % gesteigert. Die anstehende Osterweiterung der Europäischen Union bringt wenig Änderungen. Schon bisher war der Handel weitgehend liberalisiert.

Deshalb sind bereits alle großen Hausgeräte-Konzerne in Osteuropa aktiv. Sie bieten ihr bewährtes Sortiment an, Spezialmodelle oder -Marken für den Osten sind nicht gefragt. Allerdings bevorzugen die Käufer kleinere Waschmaschinen, weil auch die Küchen kleiner sind, erläutert König. Sie bevorzugen zudem Geräte mit weniger Funktionen, die auch weniger kosten.

Die Münchener BSH tritt in Osteuropa mit ihren Topmarken Bosch und Siemens an und nicht mit der eher im unteren Preissegment angesiedelten Marke Constructa. „Dies sind bekannte Marken, die ein gutes Qualitätsimage haben“, sagt BSH- Manager Götz.

Der geballten Marktmacht der Westmarken haben lokale Anbieter überwiegend nicht Stand halten können. Sie wurden weitgehend von den Großunternehmen übernommen, die die Fertigung nach und nach auf die eigenen Marken umgestellt haben. So hat der US-Konzern Whirlpool den polnischen Anbieter Polar übernommen, Electrolux kaufte die ungarische Lehél. König: „Rein lokale Hersteller aus Osteuropa verschwinden.“

Lediglich Hausgeräte-Anbieter wie Gorenje in Slowenien, Snaige in Litauen, Amica in Polen und Eta in Tschechien haben sich bisher halten können. Daneben bestehen noch einige kleinere Herd-Hersteller, da beim Kochen und Braten die Unterschiede in den Konsumgewohnheiten am größten sind.

Bosch-Siemens setzt in Osteuropa dagegen nicht auf Zukäufe, sondern auf die eigene Fertigung: Produktionsstätten wurden vor allem in Polen aufgebaut. In Lodz produziert BSH Waschmaschinen, Spüler und bald auch Trockner. Daneben betreiben die Münchener noch ein kleines Motorenwerk in der Slowakei. BSH-Manager Götz sieht die wachsende Fertigung in Osteuropa aber nicht als Verlagerung von West nach Ost, sondern als Aufbau zusätzlicher Kapazität.

Electrolux verlegt dagegen konsequent Fertigung nach Osteuropa. Das schwedische Unternehmen besitzt inzwischen Werke in Ungarn, Rumänien und Polen. Besonders das Werk in Ungarn wird konsequent ausgebaut. Erst vor kurzem kündigte der Konzern die Schließung der Staubsauger-Fertigung im schwedischen Västervik an, die ebenfalls nach Ungarn verlagert werden soll. Selbst Miele, bisher stolz auf die Fertigung ausschließlich in Deutschland, beginnt noch in diesem Jahr mit einer Produktion von Waschmaschinen in Tschechien, die auch nach Frankreich exportiert werden sollen.

Grund für die zunehmende Verlagerung der Fertigung nach Osteuropa sind die niedrigen Lohnkosten. Electrolux-Manager König schätzt die Einsparung auf 10 bis 20 Prozent – bei gleicher Qualität.

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