Festnahme des Firmenchefs
Anleger befürchten Schlimmeres bei Hyundai

Die Festnahme des Hyundai-Chefs, dem Bestechung und Veruntreuung vorgeworfen werden, trifft das Unternehmen hart. Es droht ein Führungsvakuum. Die Anleger flüchten bereits aus den Aktien.

fmk/HB SEOUL. Die Papiere verloren am Dienstag 3,4 Prozent, nachdem sie bereits an den Vortagen nachgegeben hatten. Ein Gericht in der Hauptstadt Seoul hatte am Freitag Haftbefehl gegen Konzernchef Chung Mong-Koo erlassen. Die Staatsanwälte werfen Chung vor, Regierungsbeamte bestochen und Firmengelder veruntreut zu haben. Sie wollen ihn im Laufe dieser Woche verhören, wie ein Sprecher sagte.

Der 68-jährige Chung soll mehr als 100 Mrd. Won (85 Mill. Euro) an Spitzenbeamte überwiesen haben. Diese sollen im Gegenzug Verwaltungsanweisungen zugunsten von Hyundai erlassen haben – auch von illegalen Baugenehmigungen ist die Rede. Auch Banker sollen Zahlungen erhalten haben. Bei einer Verurteilung droht Chung eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Die Staatsanwaltschaft hat bereits drei Hyundai-Topmanager verhaftet und einer Reihe von Mitarbeitern verboten, außer Landes zu reisen. Chungs Sohn, der 35-Jährige Kia-Präsident Chung Eui-Sun, ist dagegen bisher frei, obwohl sich die Vorwürfe auch auf ihn erstrecken. „Wir haben beschlossen, den jüngeren Chung nicht zu verhaften, weil wir Rücksicht darauf nehmen, welche Auswirkungen eine Doppelverhaftung auf die Hyundai-Gruppe und ihre Mitarbeiter haben kann“, sagte Staatsanwalt Chae Dong-Wook der Nachrichtenagentur Yonhap.

„Wir sind über die Härte der Staatsanwaltschaft enttäuscht“, teilte der südkoreanische Industrieverband mit. „Die Geschäftswelt und die Mitarbeiter des Unternehmens haben auf ein Zeichen des guten Willens gehofft.“ In Korea gehörte Korruption bis vor wenigen Jahren zum Alltag. Mit zunehmender Internationalisierung reagieren Öffentlichkeit und Justiz jedoch immer strenger auf Bestechung und Vorteilsnahme.

Der zweite Vorwurf der Ermittler betrifft das indirekte Abzweigen von Firmenvermögen. Chung hatte die Logistikfirma Glovis Inc. an die Börse gebracht und hielt selbst die Mehrheit der Aktien. Dann veranlasste er, dass Hyundai und Kia Vertriebsrechte an diese Gesellschaft abgeben. Damit stieg der Börsenkurs von Glovis um ein Vielfaches und mit ihm der Wert von Chungs Anteilen. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass mit diesem Wertanstieg eine Wertabnahme von Hyundai einherging, denn Hyundai und Kia hätten ihren bislang effektiven Vertrieb aufgeben müssen. Die Logistikfirma Glovis soll den Ermittlungen der Staatsanwälte zufolge auch das Bestechungsgeld für die Beamten und Banker bereitgestellt haben.

Koreanische Medien berichten, größere Projekte des Konzern stünden still. In Tschechien habe Hyundai die Grundsteinlegung für eine neue Fabrik verschoben. Ein Unternehmenssprecher betonte jedoch: „Produktion und Vertrieb laufen bei Hyundai in allen Ländern normal weiter“. Zumindest aber hat Hyundai die Bekanntgabe der Quartalszahlen, die für Donnerstag angesetzt war, verschoben. Zurzeit leitet Vizepräsident Kim Dong-jin den Konzern.

Chung hatte Hyundai das Ziel gesetzt, bis 2010 der weltweit fünftgrößte Autohersteller zu werden. Dieses Ziel steht koreanischen Beobachtern zufolge durch den möglichen Imageschaden und das drohende Führungsvakuum jetzt in Frage. Zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ab kommendem Monat tritt Hyundai als Hauptsponsor auf. Der Großkonzern strahlt zudem in der verflochtenen koreanischen Wirtschaft auch auf viele andere Firmen aus.

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