Festnahme eines Managers
Siemens kommt in Russland unter Druck

Der Münchener Siemens-Konzern verursacht in Russland Wirbel. In der Stadt Jekatarinenburg nahm die russische Polizei jetzt den Regionalvertreter des Unternehmens für den Ural fest. Doch nicht nur in Russland, auch in anderen Ländern sorgt der Korruptionsskandal für Aufregung. Die Liste der Bestechungsfälle ist lang.

tom/jojo MOSKAU/MÜNCHEN. Der russische Mitarbeiter werde zum Verkauf von Medizintechnik zu überhöhten Preisen an staatliche Krankenhäuser befragt, teilte die Polizei nach Angaben russischer Agenturen am Mittwoch mit. Ein Siemens-Sprecher in München wollte den Vorfall nicht bestätigen. Der Nachrichtenagentur DPA sagte ein Sprecher von Siemens in Moskau, es habe sich lediglich um einen „Informationsaustausch“ gehandelt und nicht um eine Festnahme. Lokale Medien berichteten aber, der Anwalt des Mannes habe Einspruch gegen die Verhaftung eingelegt.

Vergangene Woche war bereits der stellvertretende Leiter des städtischen Gesundheitsamts in Jekatarinenburg verhaftet worden. Der Mann soll vor zwei Jahren Computertomographen zum doppelten Marktpreis bei Siemens gekauft haben. Dadurch soll dem Staat ein Schaden von 670 000 Euro entstanden sein.

Siemens ist wegen Korruption schon seit Monaten in den Schlagzeilen. Das Landgericht München hat gegen den Konzern am 4. Oktober eine Geldbuße in Höhe von 201 Mill. Euro verhängt. Das Gericht geht davon aus, dass ein leitender Angestellter der Kommunikationssparte Com von 2001 bis 2004 Mitarbeiter von Behörden bestochen hat, um an Aufträge in Russland, Nigeria und Libyen heran zu kommen. Dabei habe es sich um 77 Fälle gehandelt.

Siemens ist derzeit weltweit im Visier der Staatsanwälte. Im Zuge des Korruptionsskandals haben bereits Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und Konzernchef Klaus Kleinfeld ihr Amt aufgegeben. Seit Sommer führt Peter Löscher die Geschäfte. Unter anderem als Konsequenz aus der Affäre baut der gebürtige Österreicher das Traditionsunternehmen jetzt um. Dabei werden die einzelnen Geschäftsgebiete stärker von der Zentrale aus gesteuert als bisher. Darüber hinaus wird auch den Ländergesellschaften stärker auf die Finger geschaut. Der Skandal sorgt auch in anderen Ländern für Aufregung. Am vergangenen Wochenende erst hat Nigerias Präsident Umaru Yar’Adua angekündigt, die von Siemens bestochenen Amtsträger in seinem Land zur Rechenschaft zu ziehen. Er werde die Vorwürfe gegen fünf ehemalige Telekommunikationsminister und andere Beamte untersuchen lassen, teilte der Politiker mit.

Die Liste der Bestechungsfälle ist lang. Nach Angaben von Siemens ermitteln die Behörden unter anderem in China, Ungarn, Indonesien, Norwegen, Israel, Italien und Russland. Parallel dazu lässt Siemens die Vorfälle intern aufklären. Offen ist derzeit, wie sich die russischen Behörden in Zukunft verhalten werden. Weitere Ermittlungen sind zu erwarten, denn der neue russische Ministerpräsident Wiktor Subkow hat vor den anstehenden Parlamentswahlen am 2. Dezember eine Kampagne gegen Korruption angekündigt. Erst diese Woche verhafteten die Behörden den stellvertretenden Finanzminister wegen es Vorwurfs der Unterschlagung.

In regionalen Medien meldete sich im jüngsten Fall bereits der Gouverneur der Region Jekatarinenburg, Eduard Rossel, zu Wort: Falls die Vorwürfe stimmten, würde dies bedeuten, dass sich auch Deutsche „an uns Russen bereichern“.

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