Feuerfesttechnologie
Indien und China beflügeln RHI

RHI, der Weltmarktführer für Feuerfesttechnologie, erwartet höhere Erlöse und Erträge. Die sollen aber vor allem aus den Schwellenländern kommen - zwei Werke in Deutschland wurden geschlossen.
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WienIn den Schwellenländern Indien und China erwartet der Industriekonzern RHI einen Wachstumsschub. „Indien wird für uns in diesem Jahr zum wichtigsten Markt noch vor den USA und Deutschland“, sagte der Vorstandschef des Weltmarktführers für keramische Feuerfestmaterialien, Franz Struzl, am Donnerstag in Wien. „Wir wachsen mit der indischen Stahlindustrie.“ Nach Schätzungen von Experten wird Indien seine Stahlproduktionen in den nächsten zehn Jahren auf 300 Millionen Tonnen mehr als verdreifachen.

RHI-Chef Struzl sprach von einem Umsatzwachstum in Indien von zehn bis 15 Prozent jährlich. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern dort einen Umsatz von 153 Millionen Euro in Indien. Das ist drei Mal so viel wie noch vor fünf Jahren. Die Erlöse in den USA beliefen sich auf 157 Millionen Euro und in Deutschland auf 141 Millionen Euro.

RHI betreibt in der Nähe von Kalkutta und von Neu-Delhi jeweils zwei Werke. Sie stellen feuerfeste Materialien her, die in der Stahl- und in der Zementindustrie, aber auch zur Herstellung von Glas, Kupfer und Aluminium gebraucht werden. Das börsennotierte Wiener Unternehmen verfügt über weltweit 8.000 Mitarbeiter an 32 Produktionsstandorten. Insgesamt produziert RHI knapp zwei Millionen Feuerfestprodukte für über 180 Länder.

Auch in China baut RHI seine Aktivitäten kontinuierlich aus. „Wir kopieren die Produkte der Chinesen. Das schäme ich mich nicht zu sagen“, erklärt der 73jährige Konzernchef. Die Österreicher versuchen feuerfeste Materialien im Niedrigpreissegment für die chinesische Stahl- und Zementindustrie zu kopieren. Den chinesischen Markt beliefern die Österreicher seit eineinhalb Jahren mit 1500 Mitarbeitern. Am größten Standort in Dalian (Mandschurei) arbeiten über 700 Arbeitskräfte. Zuletzt erzielte RHI im Gelben Reich einen Umsatz von 90 Millionen Euro. Bislang erwirtschaftet der Konzern nur 19 Prozent seiner Erlöse in sein.

Von Europa, dem wichtigsten Absatzmarkt, erwartet sich der Industriekonzern unterdessen keine Wachstumsimpulse mehr. Im Gegenteil, in Deutschland schloss RHI zuletzt die beiden Produktionsstandorte in Duisburg und bei Koblenz. Derzeit beschäftigt RHI an jeweils fünf Produktions- und Vertriebsstandorten noch 1.300 Mitarbeiter in Deutschland.

Struzl kritisierte am Donnerstag die Fortsetzung der EU-Sanktionen gegen Russland. „Politisch verstehe ich die Sanktionspolitik. Wirtschaftlich glaube ich aber nicht, dass die Maßnahmen sinnvoll sind“, sagte der frühere Stahlmanager. RHI macht rund fünf Prozent seiner Erlöse in den GUS-Staaten.

Für das laufende Geschäftsjahr verspricht Struzl höhere Erlöse und steigenden Gewinn vor Steuern (Ebit). Auf eine konkrete Zahl wollte sich der CEO, dessen Vertrag noch bis 2017 läuft, am Donnerstag nicht festlegen. Insider gehen von einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus. Im ersten Quartal legten die Erlöse bereits um fünf Prozent zu.

Im vergangenen Jahr gingen die Erlöse um knapp zwei Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück. Das Ebit sank ebenfalls in gleicher Größe auf 109 Millionen Euro. Zuletzt zahlte der Konzern 75 Cent pro Aktie. An seiner attraktiven Dividendenpolitik will der Vorstand festhalten. Angesichts der höheren Gewinnprognose gehen Insider davon aus, dass die Dividende im nächsten Jahr sogar steigen könnte.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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