Industrie

_

Fiat-Chef Marchionne: Entlassungen am Tag der Wiederwahl

Sergio Marchionne bleibt für ein weiteres Jahr Vorsitzender von Europas Herstellerverband ACEA. Doch der Tag der Wiederwahl hat einen bitteren Beigeschmack: Fiat gibt bekannt, in Polen jede dritte Stelle zu streichen.

Sergio Marchionne, Vorstandsvorsitzender von Fiat, bleibt Chef des europäischen Herstellerverbands ACEA. Quelle: dapd
Sergio Marchionne, Vorstandsvorsitzender von Fiat, bleibt Chef des europäischen Herstellerverbands ACEA. Quelle: dapd

Hamburg/WarschauFiat-Chef Sergio Marchionne führt den europäischen Herstellerverband ACEA auch im nächsten Jahr. Der Verwaltungsrat habe Marchionne wiedergewählt, teilte der ACEA am Freitag in Brüssel mit. Damit spricht der streitbare Fiat-Chef ein weiteres Jahr für die von der Absatzkrise im Süden schwer gebeutelten europäischen Autobauer. Gleichzeitig streicht Fiat selbst ein Drittel der Stellen in seinem Werk in Polen.

Anzeige

Marchionne hatte sich Ende September auf dem Pariser Autosalon Arm in Arm mit VW-Chef Martin Winterkorn präsentiert, nachdem beide Autokonzerne zuvor ihren über Monate erbittert geführten Streit beigelegt hatten. Dabei war auch verabredet worden, dass Marchionne vorerst ACEA-Chef bleiben darf. Langfristig strebt VW einem Insider zufolge eine neue Führungsstruktur des Lobbyverbands an.

Finanzierungsvorteile VW macht's billiger

Volkswagen, BMW und Daimler kommen derzeit so billig wie selten an Geld.

Der Fiat-Boss hatte VW zuvor wegen deren Preispolitik heftig attackiert und Europas größtem Autobauer vorgeworfen, ein „Blutbad“ unter den anderen Herstellern anzurichten. Fiat kann wie andere Massenhersteller wegen der Krise in den Schuldenstaaten Südeuropas seine Werke nicht auslasten. Marchionne hatte sich deshalb vor einigen Monaten für die Reduzierung der Kapazitäten aller Hersteller in Europa eingesetzt, war damit aber am Widerstand der Konkurrenz gescheitert.

Die größten Autohersteller in Europa

  • Platz 10

    Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

  • Platz 9

    Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

  • Platz 8

    Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

  • Platz 7

    BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

  • Platz 6

    Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

  • Platz 5

    Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

  • Platz 4

    General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

  • Platz 3

    Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

  • Platz 2

    Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

  • Platz 1

    Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

    Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

VW hatte sich vor allem daran gestoßen, dass der Vorstandsvorsitzende eines Konkurrenten als Verbandschef Kritik an einem anderen Mitgliedsunternehmen übte. Dies soll durch eine Änderung der Führungsstruktur künftig verhindert werden. Nach dem Modell des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA), dessen Chef der ehemalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann ist, soll der ACEA künftig von einer unternehmens-unabhängigen Person geführt werden.

Kooperation Die Allianzen der Autokonzerne

  • Kooperation: Die Allianzen der Autokonzerne
  • Kooperation: Die Allianzen der Autokonzerne
  • Kooperation: Die Allianzen der Autokonzerne
  • Kooperation: Die Allianzen der Autokonzerne

Auch, wenn sein Chefsessel beim ACEA vorerst sicher ist, lief für Fiat-Chef Marchionne am Freitag nicht alles rund. Am Standort in Polen muss sein Unternehmen jeden dritten Arbeitsplatz streichen. Insgesamt sollen 1500 Stellen wegfallen. Grund sei die „äußerst schlechte“ Situation auf dem Automobilmarkt. Der Absatz am Fiat-Werk im südpolnischen Tychy sei von 600.000 Fahrzeugen im Jahr 2009 auf unter 350.000 dieses Jahr zurückgegangen. 2013 könne die Zahl auf unter 300.000 fallen. Gewerkschaften gaben sich überrascht von der Ankündigung des Autokonzerns.

 

  • 07.12.2012, 19:32 Uhr

    Das ist tragisch ... dass in Polen, die FIAT Autos mit der höchsten Qualität gefertigt werden und hier Entlassungen ausgesprochen werde.

  • 09.12.2012, 05:36 Uhr

    Während die Konkurrenz und deren Lieferanten in Osteuropa investiert kündigt Fiat an in Polen Stellen zu streichen? Keine gute Strategie für die Zukunft! Alle grossen deutschen Autobauer und Lieferanten verlagern teilweise die Produktion in den Osten weil es dort billiger ist. Die Schaeffler Gruppe produziert schon seit 1997 in Ungarn mit Erfolg und das Tochter-Unternehmen INA betreibt in der slowakischen Region Kysuce (Kysucké) in Nove Mesto eine Fabrik, die für € 40.000.000 erweitert wurde. Die Eröffnung der Erweiterung fand am 5. Dezember statt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Verhandlungen gescheitert: Wieder Streiks bei Lufthansa möglich

Wieder Streiks bei Lufthansa möglich

Die Verhandlungen um einen Tarifvertrag sind wieder gescheitert. Wie die Vereinigung Cockpit mittteilte, sah sie keine Fortschritte und kritisierte, dass beim Management kein Willen zur Einigung erkennbar sei.

Pharmariese Merck: Rezeptfreie Medikamente sind der Hoffnungsträger

Rezeptfreie Medikamente sind der Hoffnungsträger

Der Darmstädter Pharmakonzern Merck will sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten ausbauen – der Abstand zu den Marktführern ist riesig. Spartenchefin Uta Kemmerich-Keil will das Problem nun auf ihre Weise lösen.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer
  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.