Fiat-Chef Marchionne
„Wir verkaufen zu lächerlichen Preisen“

Die Krise auf dem Automarkt macht dem italienischen Autobauer zu schaffen. Die Umstellungen würden „sehr schmerzhaft“ werden, so Fiat-Chef Marchionne. Weitere Werke sollen aber nicht dicht gemacht werden.
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DetroitFiat-Chef Sergio Marchionne will den italienischen Autohersteller ohne weitere Werksschließung durch die europäische Absatzkrise steuern. Wenn die überschüssige Kapazität in Europa für die Produktion anderer Marken des Fiat-Chrysler-Konzerns genutzt werde, müsse keine Fabrik dicht machen, sagte Marchionne am Dienstag (Ortszeit) auf der US-Automesse in Detroit. Die dazu notwendigen Umstellungen würden aber „sehr schmerzhaft“.

Im November 2011 hatte Fiat die Produktion in einem Werk auf Sizilien gestoppt. Vergangenen Monat kündigte der Konzern an, seine wichtige Fabrik im italienischen Melfi für eine Milliarde Euro umzurüsten, um von 2014 an zwei neue Modelle zu bauen: ein Einstiegsmodell der Marke Jeep und einen neuen Typ des Fiat 500.

Auch in China wird Jeep demnächst Autos bauen. Der Fiat-Konzern und sein chinesischer Partner GAC einigten sich am Dienstag auf einen entsprechenden Ausbau des Gemeinschaftsunternehmens. In den nächsten Jahren solle eine Reihe von Modellen in China eingeführt werden, hieß es in einer Mitteilung. Jeep macht den Anfang, soll in China aber nur für den dortigen Markt produzieren.

Auf dem Heimatkontinent seien harte Einschnitte notwendig, um die Krise bei Europas Massenherstellern in den Griff zu bekommen, sagte Marchionne. Er schätzt, dass die Branche 2012 insgesamt bis zu fünf Milliarden Euro Verlust eingefahren habe. Fiat selber hatte zuletzt ein Minus von 700 Millionen Euro prognostiziert. Hersteller wie Peugeot, Opel oder Ford ächzen unter gewaltigen Überkapazitäten. VW-Chef Martin Winterkorn hatte in Detroit die Zahl von drei Millionen Autos genannt.

Marchionne prangerte das Vorgehen der ganze Branche an, zu lange blind auf Absatzwachstum gesetzt zu haben. Einige Hersteller hätten Wagen auf Halde produziert - aber auch die seien irgendwann überfüllt. „Wer soll all die Autos kaufen?“, fragte er. Außerdem lasse das entstandene Überangebot die Margen purzeln. „Wir verkaufen zu lächerlichen Preisen“, sagte Marchionne, der auch Präsident des europäischen Branchenverbands ACEA ist.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Na ja, Managementfehler hin oder her. Der Automobilmarkt ist auch recht gesättigt und bedarf schon seit längerem einer breiteren Flurbereinigung. Opel, Ford, Fiat und einige andere werden es verdammt schwer haben nicht unterzugehen.

  • Oder Dacia. Aber irgendwo muss man sparen. Warum nicht an Reifen, Airbags und Bremssystemen?

  • Wenn man sich mal die tatsächlichen Herstellungskosten nebst Abschreibungen für Entwicklung, Maschinen etc. ansieht, sind die aufgerufenen Verkaufspreise für die Endkunden völlig überhöht!
    Das das Verbracherfreundlicher und preiswerter geht, zeigen uns inzwischen die Asiaten (ohne Japan)!

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