Fiat Chrysler
Autobauer beteiligt sich an Allianz für autonomes Fahren

Die Allianz von BMW, Intel und Mobileye für autonomes Fahren hat ein neues Mitglied. Der Autobauer Fiat Chrysler will sich dem Konsortium anschließen. Für den Internetgiganten Google ist das eine Ohrfeige.
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München/DüsseldorfBMW und der US-Chiphersteller Intel haben einen großen Verbündeten bei der geplanten Entwicklung autonomer Autos gefunden: Der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler will der vor einem Jahr bekannt gegebenen Kooperation beitreten, wie BMW am Mittwoch in München berichtete. Dazu haben die beteiligten Unternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist die Entwicklung einer gemeinsamen Plattform für autonome Fahrzeuge.

BMW, Intel und das auf Kameras und optische Sensoren spezialisierte israelische Unternehmen Mobileye hatten im Juli 2016 das ehrgeizige Ziel verkündet, bis 2021 mit der Produktion vollständig autonomer Fahrzeuge beginnen zu wollen. Im März hatte Intel gab dann im März die geplante Übernahme von Mobileye für die Summe von 15 Milliarden Dollar bekannt und löste damit großes Aufsehen in der Autobranche aus – nicht nur wegen des hohen Preises. Intel war bislang kein großer Mitspieler in der Autobranche, doch das könnte sich nun ändern. Die Kameras der Israelis können Hindernisse auf der Straße erkennen und sind wesentliche Bausteine autonomer Fahrzeuge.

Der Einstieg von Fiat zeigt einmal mehr, dass Mobileye sich zum neuen Standard für die selbstfahrenden Autos der nächsten Generation entwickelt. Neben den Italienern gehören elf weitere Autobauer zu den Kunden des Unternehmens. Der Einstieg von FCA in die Kooperation ist auch eine Ohrfeige für den Internetriesen Google, dessen Autotochter Waymo bislang einziger Kooperationspartner der Italiener beim selbstfahrenden Auto war. Erst im Mai 2016 hatten die beiden Unternehmen bekannt gegeben, an selbstfahrenden Taxis zu arbeiten. Erste Prototypen drehen bereits in US-Städten ihre Runden.

Doch bei Fiat traut man den israelischen Sensorikexperten wohl eher zu, kurzfristig die Technologie für (teil-)autonome Serienfahrzeuge liefern zu können. „Der wahre Fortschritt“, hatte Mobileye vor einigen Wochen in einem Blogpost verkündet, „ist, was heute schon verkauft werden kann“. Um zuverlässige Systeme für selbstfahrende Autos zu entwickeln, brauchen die Konzerne vor allem viele Daten. Kein Hersteller sei groß genug, um diese Datenmenge alleine zu sammeln, heißt es immer wieder aus der Industrie.

Mit Entwicklungspartnerschaften wollen Konzerne aus der Autoindustrie die nötigen Milliardeninvestitionen für technische Entwicklungen auf mehrere Schultern verteilen. Der Stuttgarter BMW-Rivale Daimler setzt etwa auf eine Allianz mit dem weltgrößten Zulieferer Bosch. Damit sich die Ausgaben in Forschung und Entwicklung rechnen, ist es für die Partner wichtig, dass die gemeinsame Technologie in möglichst vielen Autos zum Einsatz kommt.

Auch unter diesem Gesichtspunkt ist der Einstieg von Fiat-Chrysler in das Konsortium wichtig, weil damit nun erstmals auch ein Volumenhersteller an Bord ist. Als Massenhersteller verkauft Fiat-Chrysler auf dem US-Markt mehr Autos als BMW. Abgesehen von Fiat und Chrysler gehören noch die Marken Jeep und Alfa Romeo zum Konzern. An der Kooperation sind außerdem auch die Zulieferer Continental und Delphi beteiligt.

Die Rechenpower soll dagegen vom Technologiekonzern Intel kommen, der gerade daran arbeitet, die milliardenschwere Übernahme von Mobileye endgültig unter Dach und Fach zu bringen. Der Einstieg der Italiener zeigt einmal mehr, dass der vermeintlich hohe Kaufpreis für Mobileye sich am Ende noch auszahlen könnte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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