Fiat/Chrysler
Chrysler: Mission impossible für Fiat

Der italienische Autobauer Fiat hat nach seinem Einstieg bei Chrysler bald jeden Stein umgedreht. Aber das, was die Italiener gefunden haben, macht Fiat-Chef Sergio Marchionne Sorgen. Die einstige Autoikone Chrysler ist in noch schlechterem Zustand als gedacht. Der Absatz sackt immer weiter weg, das Produktportfolio ist marode. Fiat steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe.

FRANKFURT. Eine gewaltige Aufgabe war es von Anfang an, als Fiat beim tief in der Krise sitzenden amerikanischen Autobauer Chrysler mit 20 Prozent eingestiegen war. Inzwischen ist aus einer schwierigen eine schier unlösbare Aufgabe geworden, Sergio Marchionnes impossible Mission sozusagen. Der Fiat-Chef hatte und hat große Ziele: nämlich aus Fiat und Chrysler einen neuen, wettbewerbsfähigen Weltkonzern zu schmieden. Aber nach Monaten intensiver Arbeit in der Detroiter Konzernzentrale fällt Marchionnes Urteil auf der Automesse IAA in Frankfurt ernüchternd aus: "Wir waren überrascht, wie wenig in den vergangenen 24 Monaten gemacht wurde", sagt Marchionne.

Damit hat der Fiat-Chef die ersten düsteren Gerüchte bestätigt, die seit Kurzem von mit der Sanierung befassten Beratern und Fiat-Managern durchsickern. Dass Chrysler mit seinen Marken Dodge und Jeep ein nicht wettbewerbsfähiges Produktportfolio hat, war Marchionne bekannt. Nicht aber, dass im Zuge all der Restrukturierungen, die Chrysler erst mit Daimler und dann mit Cerberus durchlaufen und durchlitten hat, Tausende von Ingenieuren und Entwicklern das Unternehmen verlassen haben. Und mit ihnen das Knowhow, das Chrysler heute bräuchte, um wieder auf Touren zu kommen, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf gut informierte Kreise berichtet.

Für Marchionne wäre das ein herber Rückschlag, wie Äußerungen eines Beraters von Alix Partners deutlich machen. Dieser hatte noch im Sommer dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Business Week" gesagt: "Er glaubt, dass es noch genügend gute Leute bei Chrysler gibt." Wenn sich da Marchionne nur nicht getäuscht hat. Inzwischen haben seine Leute jeden Stein bei Chrysler umgedreht. "Aber das, was sie manchmal darunter gefunden haben, hätten sie am liebsten nie entdeckt", sagte ein Berater, der bei der Sanierung involviert ist und namentlich nicht genannt werden möchte, der englischen "Financial Times".

Und so kommt es, dass Chrysler sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch bei den angebotenen Autos schlechter dasteht als General Motors. Der wie Chrysler aus einer Blitzinsolvenz hervorgegangene US-Autoriese sorgt in den Vereinigten Staaten mit einer Werbekampagne mit dem neuen, markigen Verwaltungsratschef Ed Whitacre für Aufsehen. Und auf Produktseite kann GM mit dem in den Startlöchern stehenden Hybrid-Auto Chevrolet Volt, dem sich sehr gut verkaufenden Muscle-Car Camaro und dem auf Basis des neuen Opel Astra stehenden Cruze punkten.

Davon ist Chrysler weit entfernt. Auf der IAA steht einsam und verlassen nur eine einzige relevante Neuheit: nämlich ein stark nachgearbeiteter Dodge Caliber, dem der Mutterkonzern Chrysler in Zusammenarbeit mit Fiat einen aufgehübschten Innenraum und einen neuen Diesel-Motor verpasst haben. Das muss reichen. In Europa tut es dies aber nicht.

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