Fiat/Chrysler
Fiat plus Chrysler: Wie Salz im Kaffee

Diese Woche entscheidet Fiat-Boss Sergio Marchionne, ob er bei Chrysler einsteigt. Ganz Italien wäre stolz. Nur Italiens größte Chrysler-Fans fänden das gar nicht so toll. Die Chrysler-Fans wollen den Mythos ihrer Lieblingsmarke nicht gepanscht sehen, und sie trauen Fiat nicht viel zu.

BARDOLINO. Da lungern sie herum unter einer italienischen Sonne, die Blech-Amis Marke Chrysler. Mal hellblau als Cabrio mit Windmühlen in Regenbogenfarben drauf, mal weiß mit Märchenfee auf der Motorhaube und Wimpern um die Scheinwerfer, mal knatschgelb wie eine Gummiente für die Badewanne.

Bardolino am Gardasee, die Uferpromenade. 30 PT Cruiser reihen sich aneinander. Zwei Radfahrer rollen an den Autos vorbei. „Oh Giulio! Meinst du, die sind alle zu verkaufen?“ ruft der eine. „Klar“, sagt Giulio und grinst, „der Hersteller ist doch pleite!“

Es ist das jährliche Treffen des PT-Cruiser-Fanklubs, von Italiens Liebhabern des Retro-Modells. Klubpräsident Roberto Parenzan, rotes Klub-Polohemd, Jeans, weist die Parkplätze an. Jeden Gast begrüßt Parenzan wie einen alten Freund. 2002 hat der 42-Jährige den Klub gegründet, aus Liebe zum PT Cruiser: „Das ist ein Auto, das man ganz persönlich gestalten kann: sportlich, elegant oder auch kitschig.“

Es ist auch der letzte große Verkaufserfolg von Chrysler, Reminiszenz an einen erfolgreichen Autokonzern. Nun ringen sie in Detroit mit der Pleite, und ausgerechnet Fiat-Chef Sergio Marchionne will bei Chrysler als Retter einsteigen. Diese Woche fällt die Entscheidung, ob Chrysler ein Italo-Amerikaner wird.

Fiat soll den Amerikanern das Kleinwagen-Bauen beibringen und im Gegenzug zunächst 20 und später 35 Prozent der Aktien von Chrysler bekommen. In ein paar Jahren könnten die Italiener dann die Mehrheit an Chrysler übernehmen. Die Aussicht auf einen solchen stolzen Coup elektrisiert Italien seit Wochen. – Welch ein Triumph für Fiat, für die Nation das wäre! Allein die PT-Cruiser-Fans am Gardasee sind skeptisch, ob Fiat plus Chrysler eine gute Idee ist. Aus einem Gangstermodell mit US-Flagge und braunen Lederfransen an den Sitzen tönt „My Bonnie is over the ocean, my Bonnie is over the sea“. „Fiat PT Cruiser“, witzelt Davide. Kahl rasiert und kräftig, wie er ist, hätte er bei Al Capone anheuern können. Fiat plus Chrysler? Nein. „Das ist wie Salz im Kaffee“, findet der Kfz-Mechaniker und erntet zustimmendes Nicken der Kollegen. „Das müssen die Amis alleine hinkriegen, mit Fiat wird das nichts“, pflichtet ihm Stefano bei. Chrysler, das stehe doch für Amerika, aber nicht für Italien.

Die Chrysler-Fans wollen den Mythos ihrer Lieblingsmarke nicht gepanscht sehen, und sie trauen Fiat nicht viel zu. „Fiat ist so oft vom Staat gerettet worden, während andere, kleinere Unternehmen pleitegingen. Das schafft nicht nur Freunde“, sagt Klub-Präsident Parenzan. Vor knapp zehn Jahren hatten die Agnellis, die Gründerfamilie von Fiat, den Konzern erneut fast ruiniert. Doch dann holten sie Sergio Marchionne, und der hauchte dem Konzern in den vergangenen fünf Jahren neues Leben ein.

Dank seiner in Krisenzeiten gefragten Kleinwagen hat Fiat sich gut gehalten und vergangenes Jahr bei 60 Milliarden Euro Umsatz noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro geschrieben. Das erste Quartal 2009 endete allerdings mit einem Verlust von 411 Millionen Euro.

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