Fiat/Chrysler
Fiat: "Wir werden uns niemals zurückziehen"

Jetzt erst recht. Auch nach der Schlappe vor Gericht hält Fiat eisern an der Übernahme von Chrysler fest - denn ohne den US-Autobauer wäre der Traum der Italiener vom großen globalen Autokonzern wohl zerplatzt. Und für Fiat-Chef Marchionne geht es noch um mehr.

MAILAND. Der Vorstandsvorsitzende von Fiat, Sergio Marchionne gibt sich auch nach dem richterlichen Aufschub der Chrysler-Übernahme nicht geschlagen. "Wir werden uns niemals zurückziehen" sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg auf die Frage, ob sich Fiat zurückzieht, sollte der Deal nicht zur ursprünglichen Frist am 15. Juni unter Dach und Fach sein.

"Wir sollten geduldig sein und das System arbeiten lassen" sagte Marchionne, der in diesen Tagen die Ereignisse in den USA vor Ort verfolgt. Am Montag hatte das zuständige US-Gericht den geplanten Einstieg des italienischen Autobauers beim insolventen Chrysler-Konzern zunächst gestoppt und damit klagenden Investoren Recht gegeben. Der Verkauf sei "bis auf weitere Anordnung ausgesetzt", entschied die zuständige Richterin Ruth Bader Ginsburg. Für Chrysler und Fiat nicht nur mehr als ärgerlich, sondern auch kostspielig. "Jeder Tag mehr bedeutet weitere Verluste anzuhäufen und den Plan für den Wiederaufbau zu verschieben", sagt Martino De Ambroggi, Analyst der Investmentgesellschaft Equita Sim.

Zunächst hatte es so ausgesehen, als könne Chrysler schon innerhalb weniger Tage den Weg aus der Insolvenz schaffen. Ein Konsortium aus Fonds der Gewerkschaften, der Regierung und Fiat mit 20 Prozent hätten am 15. Juni offiziell das Ruder übernehmen sollen. Marchionnes Mannschaft hätte dabei die unternehmerische Führung gehabt, und Fiat hätte seinen Anteil in Zukunft weiter aufstocken können. Doch nun könnte sich die Prozedur länger hinziehen.

Die Entscheidung ist ein klarer Dämpfer für den Fiat-Chef Sergio Marchionne und dessen Traum, einen weltweiten Automobilkonzern mit 5,5 bis sechs Millionen Fahrzeugen zu schaffen. Erst vor zwei Wochen hat die Regierung in Berlin und General Motors die Opel-Offerte zugunsten von Magna und russischen Investoren abgelehnt.

Kein Wunder, dass Marchionne nun alle seine Kraft daran setzt, dass zumindest der bereits sicher geglaubte Deal in den USA durchgeht. Schließlich hat er seine eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt, als er vor einigen Monaten verkündete, dass nur Unternehmen mit mehr als 5,5 Millionen Fahrzeugen in Zukunft überleben werden. Fiat mit seinen weniger als drei Millionen verkauften Autos jährlich ist davon noch weit entfernt.

Beobachter fragen sich nun, wo sie Alternativen wären. Marchionne selbst hat vergangene Woche die Hoffnungen auf eine baldige Fusion etwa mit der französischen PSA-Gruppe gedämpft. Auch Saab und das Südamerika-Geschäft von General Motors sie vom Tisch. Wenn nun auch Chrysler wegbricht, stände Fiat wieder als kleiner Autobauer aus Turin da.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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