Fiat Chrysler Sergio Marchionne flirtet weiter mit GM

Fiat-Chef Sergio Marchionne bringt erneut einen Zusammenschluss mit General Motors ins Gespräch. Seine Ansicht vom aufkeimenden Fusionsfieber teilten andere Hersteller allerdings nicht.
Update: 07.03.2017 - 14:42 Uhr Kommentieren
Der Fiat-Chef ist bekannt dafür, Fusionen in der Branche zu fordern. Quelle: AP
Sergio Marchionne

Der Fiat-Chef ist bekannt dafür, Fusionen in der Branche zu fordern.

(Foto: AP)

GenfFiat Chrysler sieht im Zusammenschluss seiner Konkurrenten Peugeot und Opel einen möglichen Startschuss für weitere Fusionen in der Autobranche. Ein Erfolg könnte weitere Deals in Europa auslösen, sagte der Chef des italienisch-amerikanischen Herstellers, Sergio Marchionne, am Dienstag auf dem Genfer Autosalon. Die Ansicht vom aufkeimenden Fusionsfieber teilten andere Hersteller allerdings nicht.

VW blickt als größter europäischer Hersteller gelassen auf den künftigen deutsch-französischen Konkurrenten, der mit einigem Abstand auf Platz zwei liegen wird: „Der am meisten überschätzte Faktor in der Automobilindustrie ist wahrscheinlich die Größe“, sagte VW-Markenchef Herbert Diess.

„Wenn man sich die Zahlen ansieht, sind es nicht die größten Unternehmen, die am profitabelsten sind“, sagte Diess weiter. "Größe ist nicht das Einzige.“ Dabei hat sich der Wolfsburger Konzern lange mit Toyota ein heißes Rennen um die Krone des weltgrößten Autoherstellers geliefert und im vergangenen Jahr trotz Dieselskandal die Nase vorn gehabt. Mit seinen zwölf Marken gilt er aber auch als besonders schwerfällig. Der vor eineinhalb Jahren von BMW zu Volkswagen gewechselte Diess soll dies nun ändern und die Ertragskraft der Hauptmarke steigern.

Die höchsten Absatzzahlen galten lange als wichtigste Maßeinheit für den Erfolg von Autokonzernen und Managern. Doch spätestens seit der tiefen Krise, in der Schwergewichte wie die Opel-Mutter General Motors oder PSA Peugeot Citroen mit staatlicher Hilfe vor dem Aus gerettet werden mussten, ist der Branche deutlich bewusst, dass der Verkauf möglichst vieler Fahrzeuge nur dann Erfolg bedeutet, wenn ordentlich Gewinn hängen bleibt.

Oberklasse-Konzerne wie Daimler, BMW oder Audi rückten schneller als mancher Massenhersteller die Rendite in den Fokus. Ganz lösen von der prestigeträchtigen Größe kann sich die Branche indes nicht. Der Umbruch in der Autoindustrie verstärkt den Druck auf alle Hersteller, denn die Entwicklung hin zu Elektromobilität und Vernetzung verschlingt immens viel Geld.

Peugeot will nach dem Kauf von Opel Milliarden einsparen und so die verlustreichen Rüsselsheimer langfristig auf Rendite trimmen. Fiat-Chef Marchionne, bekannt für seine Vorliebe für Fusionen, sagte in Genf, sein Haus habe mit der Opel-Mutter GM keine Gespräche über den Deal geführt. Ein Schulterschluss mit den Amerikanern sei aber „weiter erstrebenswert“. Eine Verbindung mit GM brächte noch immer große Vorteile, auch wenn die Synergieeffekte geringer ausfielen. Fiat Chrysler könne gegebenenfalls erneut an GM herantreten.

Marchionne hatte bereits 2015 einen Vorstoß gewagt, sich aber einen Korb geholt. Vor knapp einem Jahr nannte er Volkswagen, Toyota und Ford als ebenfalls geeignete Fusionspartner. Weil der Zusammenschluss von Opel und Peugeot die größten Auswirkungen auf VW habe, könne dies die Wolfsburger schließlich dazu bewegen, die Logik eines Zusammengehens mit Fiat Chrysler einzusehen, sagte Marchionne.

„Wer uns mit VW vergleicht, hat etwas Illegales geraucht“
„Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht“
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Sergio Marchionne, Chef des italienisch-amerikanischen Autokonzerns Fiat Chrysler (FCA), hat Vorwürfe der Abgasmanipulation und einen Vergleich mit Volkswagen scharf zurückgewiesen. „Wir haben keinerlei Betrug begangen. Unser Fall ist in keiner Weise mit dem von Volkswagen vergleichbar“, sagte Marchionne in einem Interview. In den USA steht der Branchenriese im Verdacht, bei rund 100 000 Dieselwagen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben.

„Ich hoffe, Sie kaufen es nicht, denn jedes Mal, wenn ich eines verkaufe, kostet es mich 14 000 Dollar“
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So Marchionne 2014 bei einer Konferenz in Washington über das eigene Elektroauto 500e, das in den USA für 32.650 Euro verkauft wurde - und damit offenbar immer Verluste einfuhr.

„Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen“
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Sergio Marchionne 2012 über die Rabatte der Konkurrenz.

„Piëch, lass es!“
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Sergio Marchionne attackierte 2009 den damaligen VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piëch, nachdem Gerüchte laut geworden waren, dass Volkswagen an Alfa Romeo interessiert sein könnte.

„Wir sind gute Freunde“
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Sergio Marchionne 2012 über sein Verhältnis zum damaligen VW-Chef Martin Winterkorn.

„Ich rede nicht mit Leuten, die Taschen fertigen. Ich baue Autos. Was Della Valle in Forschung und Entwicklung investiert, das würde bei uns nur für den Kotflügel reichen.“
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Marchionne 2012 über den Lederwaren-Unternehmer Diego Della Valle (Tod's), nachdem dieser seine Investitionspolitik kritisiert hatte.

„Europa kann dieses Produktionsvolumen nicht vertragen. Auch wir haben eine Fabrik zu viel.“
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Marchionne 2009 über Überkapazitäten in der europäischen Automobilbranche.

VW-Konzernchef Matthias Müller strahlte dagegen Ruhe aus: „Opel und PSA werden sich dabei etwas gedacht haben. Auf unsere Pläne hat es zunächst einmal keinen Einfluss.“ VW werde eigenen Ideen und Überlegungen umsetzen. Auf die Frage, ob VW jetzt unter einen höheren Wettbewerbsdruck gerate, sagte Müller: „Wir haben den Wettbewerber Opel und den Wettbewerber PSA in der Vergangenheit auch ernst genommen. Das waren zwei Marken und jetzt sind sie unter einem Dach. Ich glaube nicht, dass sich da allzu viel verändern wird.“

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, Mercedes-Benz als Premiumhersteller sei nicht von der Fusion betroffen. Sein Haus könne aus eigener Kraft wachsen und brauche keine Übernahme. „Wir beweisen es, dass man in Europa sehr gutes Geld verdienen kann.“ Zetsche sagte weiter: „In Europa ist im Moment Fiat übrig als ein mit begrenztem Volumen ausgestatteter Spieler. Ansonsten ist im Wesentlichen alles verteilt.“

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