Fiat-Konzernboss löst Herbert Demel als Chef der Autosparte ab – Auch Maserati-Chef Leach steht vor dem Rücktritt: Marchionne reißt alle Macht an sich

Fiat-Konzernboss löst Herbert Demel als Chef der Autosparte ab – Auch Maserati-Chef Leach steht vor dem Rücktritt
Marchionne reißt alle Macht an sich

Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne reißt alle Macht im größten italienischen Industriekonzern an sich. Gestern Abend löste er mit sofortiger Wirkung den Österreicher Herbert Demel als Chef der Autosparte ab.

DÜSSELDORF. Fiat-Auto trägt über 40 Prozent zum Gruppenumsatz von zuletzt 47 Mrd. Euro bei und ist damit der gewichtigste Teil des Turiner Konglomerates. Branchenkenner wie Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim bezeichnen den Führungswechsel als „überraschend“. Zwar sei Demel seit seiner Ankunft vor 16 Monaten die Sanierung der notleidenden Autosparte nicht gelungen. Dennoch gingen Experten davon aus, dass Marchionne nicht auf die Erfahrung des früheren Chefs von Audi und des Autozulieferers Magna Steyr verzichten wolle.

Marchionnes knappe Stellungnahme deutet darauf hin, dass er sich nicht im Frieden von Demel getrennt hat: „Meine heutige Entscheidung, die direkte Verantwortung für Fiat-Auto zu übernehmen, zielt darauf ab, die Bemühungen der Fiat-Gruppe auf die Sanierung und den Relaunch von Fiat Auto zu konzentrieren.“ Demel hielt sich bedeckt. Bekannt war, dass der erst im Sommer berufene bullig auftretende Italo-Kanadier Marchionne nie besonders gut mit Demel, einem eleganten Abkömmling der Wiener Kaffeehausdynastie, harmoniert hat.

Ein hochrangiger Manager in Turin sagte, dass die Episode an den Herauswurf des Autochefs Vittorio Ghidella durch den langjährigen Fiat-Chairman Cesare Romiti Ende der 80er-Jahre erinnere: „Damals übernahm Romiti für zwei Jahre parallel die Führung der Autosparte. In diesem Zeitraum schlidderte der Bereich tief in die Krise.“ Er glaubt, Marchionne strebe nun eine ähnliche Machtfülle wie einst Romiti an.

Andere Turiner Industriekreise bewerten die Personalie positiver: „Endlich hat der Konzernchef auch direkt die Autosparte unter sich. Das ist bei Renault mit Schweitzer oder Peugeot mit Foltz schließlich auch der Fall“, sagt ein Mitarbeiter von Marchionne. Der Personalwechsel scheint durch die Scheidung vom strategischen Partner General Motors (GM) befördert worden zu sein. Erst Sonntag hatte sich Fiat gegen eine Milliardenentschädigung bereit erklärt, auf das vertraglich vereinbarte Recht zu verzichten, dem US-Konzern die tief in der Krise steckende Autosparte vollständig zu verkaufen. GM hatte Fiat 1,55 Mrd. Euro für die Streichung dieser Put-Option bezahlt. „Für Marchionne war dies ein großer Sieg, den er nun voll ausgeschlachtet hat“, sagt ein Fiat-Manager.

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