Fiat
Opel-Retter schreibt rote Zahlen

Der italienische Automobilhersteller Fiat will bei Chrysler einsteigen und am besten wohl auch noch Opel übernehmen. Die Pläne sind groß, doch Italiens Autowunderwaffe steht mit roten Zahlen da. Doch vor allem an der geplanten Allianz mit dem US-Autobauer Chrysler wollen die Italiener nicht rütteln - Geld wollen sie aber auch nicht springen lassen.

MAILAND. Die Allzweckwaffe Fiat schreibt rote Zahlen. Italiens Autokonzern wird derzeit als Retter für Chrysler und für Opel gleichzeitig gehandelt. Doch angesichts der Zahlen aus dem ersten Quartal - einem Verlust von 411 Mio. Euro - scheint das Unternehmen finanziell nicht sonderlich gut gerüstet zu sein. Fiat verfügt jedoch nach eigenen Angaben über mehr als fünf Mrd. Euro liquide Mittel. Der Fiat-Vorstandsvorsitzende Sergio Marchionne betonte gestern vor allem sein Interesse an der Alli-anz mit dem US-Konzern Chrysler. Er habe viel Zeit mit den US-Behörden verbracht, die Einigung bis zum 30. April vorzubereiten und "ich sehe keinen Grund, warum das nicht passieren sollte", sagte Marchionne gestern. Gleichzeitig machte er klar, dass kein Cash fließen werde. "Wir bringen ausreichend Technologie mit", sagte er. Für die Zukunft wollte er einen finanziellen Beitrag jedoch nicht ausschließen, wenn das nötig sei.

Die Technologie für spritsparende Autos spielt eine zentrale Rolle bei den Verhandlungen mit Chrysler in den USA. Seit Januar verhandeln die beiden Unternehmen über eine Einigung, bei der Fiat eine Beteili-gung am Aktienkapital von Chrysler erhalten und im Gegenzug sein Know-How für Spritsparende Kleinwagen zur Verfügung stellt. US-Präsident Barack Obama sieht Fiat als einzige Alternative zur Pleite und hat den beiden Unternehmen Ende April als Deadline gesetzt, damit Chrysler weitere milliarden-schwere Staatshilfen erhält.

In italienischen Finanzkreisen wird einer Einigung mit Chrysler die höhere Wahrscheinlichkeit eingeräumt. "Chrysler wäre wirklich komplementär sowohl in Hinblick auf die Märkte als auch auf die Produkte", sagt ein Mailänder Analyst, der nicht genannt werden will. "Mit Opel könnte Fiat zwar theoretisch Synergien heben, aber die wären praktisch und politisch in Ländern wie Deutschland und Italien schwer durchzusetzen", sagt er und schließt nicht aus, dass das Interesse an Opel nicht Verhandlungstaktik ist, um den Druck auf die Gläubigerbanken bei Chrysler zu erhöhen.

"Mit Chrysler käme Marchionne auf vier Millionen Autos pro Jahr. Da fehlen noch 1,5 Millionen Autos für seine magische Grenze von 5,5 Millionen. Aber die würde ich nicht in Europa suchen", sagt der Analyst. Marchionne hatte vor wenigen Monaten gesagt, dass nur Unternehmen, die mindestens 5,5 Millionen Autos jährlich produzieren, diese Krise überleben werden.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres hat Fiat einen Nettoverlust von 411 Mio. Euro geschrieben. In dem gleichen Zeitraum im Vorjahr stand dort noch ein gewinn von 427 Mio. Euro. Der Umsatz bröckelte um mehr als ein Viertel auf nur noch 11,3 Mrd. Euro. Die Nettoverschuldung der Gruppe steig zum Ende März um 4,5 Prozent 18,7 Mrd. Euro, 6,6 Mrd. Euro davon im industriellen Geschäft und 12,2 Mrd. Euro bei den Finanzdienstleistungen (Financial Services).

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