Fiat-Tochter
Chrysler verschiebt den Börsengang

Der US-Autoriese Chrysler will frühestens im neuen Jahr an die Börse gehen. Der Konzern verweist auf vertragliche Vereinbarungen mit dem mächtigen Gewerkschaftsfonds Veba. Der Zwist mit dem Mutterkonzern Fiat hält an.
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Detroit/TurinFiat hat den geplanten Börsengang seiner US-Tochter Chrysler grundsätzlich infrage gestellt. Es könne derzeit nicht gesagt werden, ob und wann der Gang aufs Parkett vollzogen werde, teilte der italienische Autobauer am Montag mit. Dies hänge von den Marktbedingungen ab. Fest steht demnach, dass der Börsengang nicht wie geplant bis Ende dieses Jahres umgesetzt wird. Angepeilt werde stattdessen, das IPO im ersten Quartal 2014 voranzutreiben. In der Begründung hieß es, man wolle alle vertraglichen Vereinbarungen mit dem US-Gewerkschaftsfonds Veba erfüllen.

Chrysler hatte Ende September angekündigt, an die Börse gehen zu wollen. Das IPO soll auch den Streit zwischen Fiat und dem mit 41,5 Prozent zweitgrößten Chrysler-Aktionär, dem Gewerkschaftsfonds Veba, beilegen. Während Fiat Chrysler komplett übernehmen will, wollte sich Veba zum angebotenen Preis nicht von seiner Beteiligung trennen.

Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, dass Chrysler bereits in der laufenden Woche eine Preispanne für die neue Aktie festlegen könnte. Bis zu zwei Milliarden Dollar wolle das Unternehmen durch den Schritt einnehmen. Der genannte Termin in der ersten Dezemberwoche wurde nun aber vom Unternehmen dementiert.

Der Börsengang ist eine Möglichkeit, um aus dem Dilemma herauszukommen: Entweder werden Anteile des Gesundheitsfonds tatsächlich über die Börse verkauft und Fiat kann sie dort über kurz oder lang zum Marktpreis erwerben. Oder es ist denkbar, dass die anstehenden Gespräche mit außenstehenden Investoren letztlich nur dazu dienen, ein Gefühl für den wahren Wert von Chrysler zu bekommen und es am Ende doch noch zu einer Einigung kommt.

Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne hatte bereits angekündigt, dass die Vorbereitungen für den Börsengang laufen. „Lasst den Markt sprechen“, hatte er jüngst in einem Interview gesagt. Fiat kann auf Chrysler kaum mehr verzichten. Der US-Hersteller hat sich dank guter Verkäufe im nordamerikanischen Markt wiederholt als Stütze für die Italiener erwiesen, die unter dem schlecht laufendenden europäischen Automarkt leiden.

Vor einigen Jahren war die Rollenverteilung noch eine andere: Chrysler, eine Beteiligung des Finanzinvestors Cerberus, war während der Wirtschaftskrise 2009 in die Insolvenz gerutscht. Fiat sprang dem Unternehmen mit technischem Know-how bei. Im Gegenzug bekamen die Italiener nach und nach immer mehr Anteile. Momentan sind es 58,5 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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