Filialisten locken mit Rabatten
Optiker und Brillenindustrie sehen schwarz

Auf den Boom des vergangenen Jahres durch die Gesundheitsreform ist bei der optischen Industrie wie den Optikern in diesem Jahr der erwartete Rückgang gefolgt. Der ist allerdings größer als erwartet ausgefallen.

gil/ap DÜSSELDORF. „2004 hat uns noch weit kälter erwischt, als wir vorausgesehen hatten“, sagte Randolf Rodenstock vom Fachverband Spectaris auf der Jahrespressekonferenz in Köln. Er erwartet für die Branche in diesem Jahr ein Umsatzminus von 20 Prozent im Inland für den Bereich Konsumoptik – nach einem Plus von 15 Prozent im Jahr 2003.

Auch die Augenoptiker machen in diesem Jahr wesentlich schlechtere Geschäfte. Stefan Diepenbrock, Sprecher des Zentralverbandes der Augenoptiker, schätzt den Umsatzrückgang der Branche auf 20 bis 25 Prozent im ersten Halbjahr.

Seit Anfang des Jahres zahlen die Gesetzlichen Krankenkassen keine Zuschüsse mehr zu Brillengläsern. Um die Kunden trotzdem zum Kaufen zu bewegen, bieten nach Angaben von Diepenbrock vor allem die großen Augenoptiker-Ketten wie Fielmann und Krane immer häufiger Rabatte an. Denn die Filialisten seien von dem Minus besonders betroffen. Diepenbrock warnt vor einem ruinösen Preiskampf: „Hier wiederholt sich, was vorher in anderen Sparten des Einzelhandels stattgefunden hat.“

Den Trend zu Billigprodukten hat Rodenstock bereits im Boom des vergangenen Jahres ausgemacht: Produkte im unteren Preisbereich hätten sowohl bei Fassungen als auch bei Gläsern ein besonders starkes Wachstum verbucht. Nahezu jede dritte Fassung war bereits getragen und wurde lediglich mit neuen Brillengläsern versehen.

Trotzdem erwartet Rodenstock mittelfristig von der Gesundheitsreform positive Impulse für die optische Industrie. „Nun kommen keine Patienten mehr, sondern Kunden.“ Außerdem begünstige die älter werdende Gesellschaft den Absatz von Brillen und Kontaktlinsen.

Insgesamt erhofft sich die deutsche optische, medizinische und mechatronische Industrie für 2004 durch ein besseres Auslandsgeschäft eine Steigerung des Umsatzes um rund vier Prozent auf etwa 36,4 Mrd. Euro. „Der Exportmotor scheint nach zwei verhältnismäßig schwachen Jahren wieder in Gang gekommen zu sein“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Spectaris, Sven Behrens. Die Branche erwartet einen um sieben Prozent höheren Auslandsumsatz. Dagegen rechnet sie für den Inlandsmarkt lediglich mit einem Plus von 0,8 Prozent. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz der Branche nur marginal um 0,2 Prozent auf 35 Mrd. Euro. Dabei gab es sowohl im Inland als auch bei den Exporten praktisch eine Stagnation.

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