Die schwedische Finanzaufsicht will überprüfen, ob der deutsche LKW-Hersteller MAN möglicherweise einer Angebotspflicht gegenüber den Minderheitsaktionären bei Scania unterliegt. Die Behörde bestätigte dem Handelsblatt, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Eine solches Pflichtangebot würde MAN fast zehn Milliarden Euro kosten.
STOCKHOLM/MÜNCHEN. Ein Ergebnis werde frühestens in der kommenden Woche vorliegen. Der Münchener Konzern hatte sich 2006 während des Übernahmekampfes um Scania
bei den Schweden mit 17 Prozent eingekauft. Da VW
gleichzeitig mit 30 Prozent an MAN
beteiligt ist, wollen die Aufseher nun untersuchen, ob es sich bei beiden deutschen Konzernen um "nahe stehende Unternehmen" handelt.
Dann könnte die Finanzaufsicht von den Münchenern ein Pflichtangebot an alle außenstehenden Scania
-Aktionäre
fordern, da MAN
seinen Scania
-Anteil
mit dem von VW
zusammen hätte angeben müssen. Eine Behördensprecherin unterstrich zugleich, dass MAN
von der Angebotspflicht eine Ausnahme beantragen könne.
Viele Scania
-Minderheitsaktionäre
fühlen sich von VW
ungerecht behandelt. Der Wolfsburger Konzern hatte am Montag von der Wallenberg
-Holding
Investor deren 30-prozentige Scania
-Beteiligung
für umgerechnet 2,9 Mrd. Euro abgekauft, muss aber trotz eines Stimmrechtsanteils von jetzt 68,5 Prozent den übrigen Aktionären kein Übernahmeangebot vorlegen, da die Wolfsburger nicht der Angebotspflicht unterliegen.
Der Grund für diese auch in Schweden unübliche Vorgehensweise: Als VW
2000 mit knapp über 30 Prozent bei Scania
einstieg, galt die Angebotspflicht erst ab einem Stimmrechtsanteil von 40 Prozent, VW
lag also deutlich darunter. Erst später wurde die Quote gesetzlich auf 30 Prozent gesenkt. Sie gilt jedoch nicht rückwirkend. Außerdem handelte sich VW
im vergangenen Herbst eine generelle Ausnahmeregelung aus. An diesem Beschluss des schwedischen Aktienmarkt-Rates ist nicht mehr zu rütteln. Allerdings will die Finanzaufsicht in Stockholm die Kriterien für Ausnahmen von der Angebotspflicht unter die Lupe nehmen. Für künftige Übernahmen könnte sich also die Praxis ändern.
Der LKW- und Maschinenbaukonzern MAN
kommt mit seinen Fusionsplanungen mit dem Konkurrenten Scania
zwar nicht voran. Dafür profitieren die Aktionäre des Münchener Unternehmens aber kräftig von der Beteiligung an Scania.
MAN
stockt die Dividende auf etwa 3,15 Euro (zwei Euro im Vorjahr) auf, die Dividendenrendite übertrifft damit sogar das Niveau der führenden Dax-Konzerne von durchschnittlich drei Prozent. Einer der Gründe: der Rekordgewinn der Schweden im Geschäftsjahr 2007.
Scania
Spekulationen, VW
-Aufsichtsratschef
Ferdinand Piëch werde nun den von Samuelsson initiierten Fusionsplan vorantreiben, entzog Piëch auf der Genfer Automesse die Grundlage. Eine Fusion von Scania,
MAN
und der VW-LKW
-Sparte
sei nicht geplant. Das Projekt ist nach Ansicht des Unicredit
-Analysten
Sven Kreitmair aber nur verschoben. "VW musste den Wallenbergs
wahrscheinlich Konzessionen machen, um das Aktienpaket der Schweden übernehmen zu können." Kreitmair ist sich aber sicher: "Am Ende wird alles auf die Dreier
-Allianz
hinauslaufen, um Synergieeffekte zu heben."
Die Börse wettet unterdessen darauf, dass Volkswagen
auch bei MAN
eine Mehrheitsübernahme in absehbarer Zeit plant. Der MAN
-Kurs
stieg auch am Mittwoch wieder um zeitweise bis zu sechs Prozent. Scania
-Aktien
dagegen bröckeln seit Wochenbeginn ab, nachdem Volkswagen
am Montag die Mehrheitsübernahme bekannt gegeben hatte.

