Finanzchef geht
Machtkampf bei Thyssen-Krupp irritiert Börse

Der überraschende Rücktritt des Finanzchefs von Thyssen-Krupp, Stefan Kirsten, hat die Anleger verunsichert. Die Aktie des Düsseldorfer Industriekonglomerats brach am Freitag trotz eines Rekordquartalsergebnisses um 8 Prozent ein. Denn zugleich mit dem Rücktritt ist eine Vorentscheidung im Rennen um die Nachfolge von Konzernchef Ekkehard Schulz gefallen.

DÜSSELDORF. Ohne Kirsten reduziert sich der Kreis der Nachfolgekandidaten von vier auf drei. Zu ihnen zählt Olaf Berlien, 43, der das wieder schlagkräftige Werften- und Anlagenbaugeschäft von Thyssen-Krupp leitet. Hoffnungen macht sich auch Edwin Eichler, 48, Chef der gemessen am Umsatz größten Konzernsparte Dienstleistungen. Gute Chancen, im Januar 2009 an die Konzernspitze aufzurücken, hat auch der größte Ergebnislieferant, Stahlmanager Karl-Ulrich Köhler, 50.

In zweieinhalb Jahren endet die Amtszeit des im Unternehmen nach wie vor unumstrittenen Vorstandschefs Schulz. Der 65-jährige Konzernlenker steuert den Tanker seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999. Zunächst gemeinsam mit dem heutigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, seit September 2001 allein.

Den ursprünglich bis Anfang 2005 datierten Vertrag von Schulz hatte der Aufsichtsrat gleich zweimal – im Frühjahr 2004 und im Herbst 2005 – über die hausinterne Altersgrenze von 65 Jahren hinaus verlängert – und damit den designierten Kronprinzen klar gemacht, dass man sie noch nicht für reif genug halte.

Dabei war es Schulz selbst, der im Jahr 2002 für eine Blutauffrischung gesorgt hatte und mit Berlien (von Carl Zeiss), Kirsten (von Metro) und Eichler (von Bertelsmann) drei Manager von außen holte und sie ins Rennen um das Spitzenamt schickte.

Der bei Investoren und Analysten hoch geschätzte, aber konzernintern wegen seiner schneidigen Art wenig beliebte Finanzchef zieht nun als erster die Konsequenz. Er legt sein Amt „wegen geänderter Perspektiven“ zum Jahresende nieder. Dass auch der Konzern selbst von diesem Schritt völlig überrascht ist, zeigt die Tatsache, dass Vize-Konzernchef Ulrich Middelmann, 62, Kirstens Aufgabengebiet übernimmt. Middelmann ist eine Übergangslösung; sein Vertag endet im September 2008.

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