Finanzchef Joe Kaeser
Siemens sieht Chancen für Telefonanlagen

Siemens schließt bei der Sanierung seiner schlingernden Verkehrssparte Mobility einen Arbeitsplatzabbau nicht aus.

HB FRANKFURT. Der Technologiekonzern prüfe sämtliche Produktivitätsmaßnahmen, sagte Finanzchef Joe Kaeser in Frankfurt am Rande einer Veranstaltung der Frankfurt School of Finance & Management. "Ich will keine Maßnahme ausschließen." Für Spekulationen darüber sei es aber noch zu früh, mögliche Schritte würden zunächst mit den Arbeitnehmervertretern besprochen. Die Sparte habe zwar ein hohes strategisches Potenzial, aber eine schwankende Ertragsentwicklung. "Das muss sich ändern", sagte Kaeser. Der Konzern hatte in seinem Geschäft mit Schienenfahrzeugen und Verkehrssystemen in der Vergangenheit immer wieder mit Qualitätsmängeln und unrentablen Projekten zu kämpfen. Mit dem bereits angekündigten Effizienzprogramm "mobility in motion" will Siemens die Ertragskraft der Sparte nachhaltig verbessern. Beispielsweise sollen die Regeln für die Auftragsannahme verschärft werden.

Steigendes Interesse sieht der Münchener Konzern an seiner zum Verkauf stehenden Telefonanlagen-Sparte SEN. "Das Interesse an und der Wettbewerb um dieses Asset haben wieder zugenommen", sagte Kaeser. Zu Zeitplänen äußerte sich der Manager nicht. Siemens wolle das Geschäft in einem gut restrukturierten Zustand in eine Transaktion einbringen. Die verlustreiche SEN steht seit fast zwei Jahren zum Verkauf. Als mögliche Käufer wurden zuletzt neben dem Finanzinvestor Cerberus die Siemens-Konkurrenten Alcatel-Lucent und Nortel gehandelt. Siemens hat angekündigt, bei SEN bis zu 6 800 Arbeitsplätze weltweit abzubauen und zumindest die entscheidenden Weichenstellungen der Sanierung selbst in der Hand zu behalten.

Für einen Verkauf der Telefon-Gerätesparte SHC zeigt sich der Technologiekonzern zunehmend aufgeschlossen. "Falls sich ein verlässlicher und guter Partner findet, wären wir dafür offen", sagte der Finanzchef. Siemens sehe sich bei dem Geschäft aber nicht unter Druck. SHC gehört Kaeser zufolge nicht zum Kerngeschäft des Konzerns. Der starke Wettbewerb aus China führe dazu, dass das Geschäft nicht mehr wachse, sagte der Manager.

Zum laufenden dritten Quartal des Geschäftsjahres 2007/2008 äußerte sich der Finanzchef positiv. "Wir sind mit dem Umsatzverlauf ganz zufrieden", sagte Kaeser. Einer der wichtigsten Werttreiber sei die Automatisierungssparte A&D. "Ich freue mich auch in diesem Quartal auf A&D." Der Bereich habe einen Auftragsbestand von fünf bis sechs Monaten. Im zweiten Quartal hatte der Konzernumsatz um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro zugenommen. Missratene Projekte im Bau von Kraftwerken und Zügen sowie die Kosten für den Umbau bei SEN ließen den Gewinn allerdings um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro einbrechen.

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