Finanzchef Lutz geht
Unruhige Zeiten bei Covestro

Bei Bayers Kunststofftochter werden die personellen Weichen für die Zukunft an der Vorstandsspitze gestellt – und plötzlich wirft der Finanzvorstand hin. Der Abgang von Frank Lutz zeugt von einem Zerwürfnis.
  • 0

DüsseldorfFür Richard Pott sind es Tage des Bedauerns. Einen Tag vor Christi Himmelfahrt unterrichtete der Aufsichtsratschef des Kunststoffherstellers Covestro die Öffentlichkeit über den Wechsel an der Vorstandsspitze im kommenden Jahr. Dass der langjährige Chef Patrick Thomas seinen Vertrag nicht verlängern will, nahm Pott mit „tiefsten Bedauern“ auf. Am Donnerstagabend äußerte er in einer Pflichtmitteilung das nächste Bedauern: Finanzvorstand Frank Lutz hatte bei Pott seinen Rücktritt eingereicht – schon am Freitag wird er nicht mehr im Büro sein.

Was ist los beim jungen Star der deutschen Chemiebranche? Seit der Ausgliederung aus der Bayer AG im September 2015 machte das Unternehmen nur mit rasanten Steigerungen bei Gewinn und Aktienkurs von sich reden. Bayer ist derzeit froh, noch die Mehrheit an Covestro zu halten: Die ehemaligen Material-Science-Geschäfte liefern üppige Ergebnisbeiträge in die Konzernbilanz.

Da überraschen die jüngsten Neuigkeiten aus der Führungsspitze von Covestro. Tatsächlich hängen beide personellen Schritte zusammen. Patrick Thomas hat noch bis Ende September 2018 einen Vertrag als CEO. Er hatte jüngst Aufsichtsratschef Richard Pott informiert, dass er den Vertrag zwar erfüllen, aber nicht verlängern will. Wie es in Konzernkreisen heißt, steckt kein Streit dahinter. Im Gegenteil: Thomas gilt als Architekt der jungen Erfolgsgeschichte von Covestro.

Allerdings folgt er dem Motto „Gehe, wenn es am Schönsten ist“: Thomas steht seit 2007 an der Spitze des Unternehmens und wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Er gilt als umtriebiger Mensch und Weltenbummler, der sich in verschiedenen Organisationen engagiert, und nun eine frühzeitige Nachfolgereglung bei Covestro ermöglichen will.

Die hat der Aufsichtsrat umgehend beschlossen: Nachfolger an der Covestro-Spitze wird im Oktober 2018 Markus Steilemann, der im Vorstand als Chief Commercial Officer für Innovation, Marketing und Vertrieb zuständig ist. Der 1970 geborene Chemiker gilt als ausgewiesener Kenner des Unternehmens, er hat bei Bayer Material Science und bei Covestro operative Funktionen im Inland wie auch in Asien besetzt.

Die Berufung Steilemanns sei der Grund gewesen, warum eine Woche später Finanzvorstand Frank Lutz überraschend seinen Rücktritt einreichte, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte selbst Ambitionen auf den Chefposten bei Covestro. Dass er so kurzfristig hinwirft, zeugt von einem Zerwürfnis und von Enttäuschung.

Lutz war 2014 von der CFO-Position bei Aldi-Süd zu dem Kunststoffhersteller gewechselt und gilt als Architekt des Börsengangs im Herbst 2015. Er genießt einen starken Ruf bei den Investoren – der Grund dafür, dass die Covestro-Aktie nach Bekanntwerden seines Rücktritts um zwei Prozent nachgab. Einen neuen Finanzvorstand hat Covestro noch nicht benannt.

Kommentare zu " Finanzchef Lutz geht: Unruhige Zeiten bei Covestro"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%