Finanzielle Auswirkungen kaum zu kalkulieren
Die Assekuranz war bei Vioxx schon vorgewarnt

Nachdem Merck & Co. am vergangenen Donnerstag ankündigte, Vioxx vom Markt zu nehmen, vergingen nur wenige Stunden bis die ersten Schadensersatzklagen eingereicht wurden. Unterdessen rechnen Experten weiter mit einer Klagewelle gegen Merck & Co.

HB FRANKFURT/M. Die meisten Fachleute rechnen damit, dass auf den US-Konzern nun eine gewaltige Prozesslawine zurollen wird. Die finanzielle Dimension einer solchen Klagewelle dürfte allerdings erst im Laufe der kommenden Jahre zu ermessen sein.

Für eine sehr hohe Zahl an Klagen spricht vor allem die weite Verbreitung von Vioxx. Das Schmerzmittel wurde nach letzten Angaben von Merck & Co. seit der Markteinführung im Jahr 1999 etwa 105 Millionen mal verschrieben. Seine Schätzungen für die Zahl der Patienten, die Vioxx bisher eingenommen haben, hat der US-Konzern allerdings deutlich reduziert, von zunächst mehr als 80 Millionen auf jetzt etwa 20 Millionen. Auch auf diesem Niveau bleibt Vioxx der mit Abstand umfangreichste Rückruf eines Medikaments in der Geschichte der Pharmabranche. Bei anderen prominenten Fällen wie Lipobay (Bayer) und Phen-Fen (Wyeth) waren etwa sechs Millionen Patienten betroffen.

In der Versicherungswirtschaft hält man sich bislang mit Kommentaren zurück. Die meisten Rückversicherer wollten zu möglichen Schäden im Zusammenhang mit Vioxx vorerst nicht Stellung nehmen. Bei der Hannover Rück hieß es: „Wir könnten betroffen sein, allerdings nur in sehr geringem Umfang“. Die Hannover Rück engagiert sich nach eigenen Angaben nur in geringem Umfang im US-Pharmageschäft. Die Münchener Rück und die Swiss Re betonten, dass sie grundsätzlich zu Kundenbeziehungen keine Stellung nähmen.

Die Vioxx-Problematik kam für die Assekuranz nicht völlig überraschend, nachdem unter Medizinern bereits seit mehr als zwei Jahren über mögliche Herz-Kreislauf-Risiken bei diesem Medikament diskutiert wird. Die Wirkstoffklasse der Coxibe werde daher von den Versicherungen schon seit längerem mit kritischen Augen verfolgt, heißt es in Branche. Zudem sind bereits seit 2003 zwei Schadensersatz-Verfahren im Zusammenhang mit Vioxx anhängig. Der erste Prozess wird für Anfang 2005 erwartet.

Ferner haben die Versicherer in den letzten Jahren bereits generell auf die wachsenden Haftpflicht-Risiken im Pharmabereich reagiert und in diesem Zuge sowohl ihre Engagements zurückgefahren als auch die Preise erhöht. „Der Aufwärtstrend bei den Prämien für die Pharma-Produkthaftpflicht hat sich in den letzten Jahren weiter fortgesetzt“, schätzt Daniel Gantner, der im Produktmanagement der Swiss Re für den Bereich Pharma verantwortlich ist.

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