Finanzierung
Balda hängt am Segen der Kirche

Mitarbeiter und Aktionäre des Handyzulieferers Balda sind Einiges gewohnt. Verunglückte Verkaufsgespräche, die das ganze Unternehmen gefährden, plötzliche Notrufe nach mehr Kapital. Jetzt stellt sich heraus: Sogar die evangelische Kirche ist in den Strudel des angeschlagenen Mittelständlers geraten. Der Grund ist unklar - die Kirche schweigt.

DÜSSELDORF. Der Handyzulieferer Balda aus Ostwestfalen kann seinen Betrieb derzeit nur mit dem guten Willen der evangelischen Kirche aufrechterhalten. Nach Informationen des Handelsblatts hat die kirchliche Zusatzversorgungskasse Rheinland-Westfalen eingewilligt, die Rückzahlung eines millionenschweren Darlehens durch Balda zu verschieben. Ohne diese Vereinbarung wären die Konsortialbanken von Balda zur Beendigung des gemeinsamen Kreditvertrags berechtigt gewesen. Dieser Schritt hätte für Balda das Ende bedeuten können.

Das Büro von Volker Heinke, dem Vorstand der Zusatzversorgungskasse, bestätigte die Existenz des Darlehens, wollte sich aber zu Details nicht äußern. Ein Sprecher von Balda sagte, es handele sich hierbei um die sogenannte Kirchen-Anleihe aus dem Jahr 2003. Das Darlehen über fünf Mio. Euro ist mit 6,5 Prozent verzinst und lief eigentlich im April 2009 aus. Weil die Banken aber darauf bestanden, dass Balda parallel zum Kirchen-Darlehen auch entsprechende Bankverbindlichkeiten in gleichem Maße tilge, habe man sich auf einen Kompromiss einigen müssen, sagte ein Balda-Sprecher. "Ohne dieses Zugeständnis der Kirche wäre es sehr schwer für uns geworden."

Der Kompromiss sieht nun vor, dass die evangelische Kirche die Hälfte ihres Geldes erst später zurückerhält - ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest. Ob die Kirche für die Verlängerung ihres Darlehens zusätzlich vergütet wird, sei ebenfalls noch nicht ausgehandelt.

Der Fall wirft einige Fragen auf - vor allem die nach der Anlagestrategie der Kirche. Bei den fünf Mio. Euro geht es um Gelder, die für den Lebensabend der Kirchenangestellten vorgesehen sind. Die Zusatzversorgungskasse Rheinland betreut rund 170.000 Versicherte. Sollte es eine Deckungslücke in der Kasse geben, muss diese laut Satzung vom Steueraufkommen der Kirche gedeckt werden. Deshalb mahnt sich die Kirche auch selbst zu größter Vorsicht. Offiziell heißt es: "Die Kirche muss mit dem Geld, das ihr anvertraut ist, verantwortungsvoll und professionell umgehen."

Doch weder Balda noch die Versorgungskasse können erklären, wie die Kirchenleute auf die Idee kamen, einem Handyschalenhersteller fünf Mio. Euro aus der Rentenkasse für ihre Mitarbeiter auszuleihen. Den üblichen Maßstab zur Risikoabschätzung - eine Bewertung durch eine anerkannte Ratingagentur - gibt es nicht. Weder Standard & Poor?s noch Moody?s oder Fitch geben oder gaben eine Einschätzung zu Balda.

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