Finanzierungsplan
Opel-Mutter GM macht 1,2 Milliarden Dollar Verlust

General Motors (GM) hat erstmals seit der Insolvenz Zahlen vorgelegt. Die Opel-Mutter fuhr im dritten Quartal einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar ein. Derweil gibt es Berichte, wie tief GM für Opel in die eigene Tasche greifen muss.
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HB DETROIT/RÜSSELSHEIM. Der Opel-Mutterkonzern General Motors sieht nach seinem Neustart wieder Licht am Ende des Tunnels. Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens schrieb der größte US-Autobauer im dritten Quartal zwar noch immer ein Minus von 1,2 Mrd. Dollar (802 Mio Euro). Der Verlust war aber kleiner als von vielen Experten geschätzt.

General Motors (GM) will nun den Schuldenabbau bei den Regierungen der USA und Kanada mit Raten in Milliardenhöhe beginnen, wie der Konzern am Montag am Sitz in Detroit (Michigan) bekanntgab. Die Rückzahlungen starten damit weit früher als erwartet.

Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 28 Mrd. Dollar. Das waren fünf Mrd. Dollar mehr als im zweiten Quartal. Die Zahlen sind wegen des Insolvenzverfahrens aber nur schwer vergleichbar. Der von GM genannte „betriebswirtschaftliche“ Verlust könnte zudem noch bestimmte Sondereffekte ausklammern.

„Wir haben noch viel mehr Arbeit vor uns“, räumte GM-Chef Fritz Henderson ein. „Aber die Ergebnisse belegen das solide Fundament, das wir für den neuen GM-Konzern legen.“

Seit Anfang 2005 hatte der US-Hersteller Verluste von mindestens rund 90 Mrd. Dollar angehäuft. Der Konzern war mit Staatshilfen von mehr als 50 Mrd. Dollar vor dem Untergang gerettet worden.

Das Geschäft außerhalb Nordamerikas schrieb im dritten Quartal vor Zinslasten, Steuern und Sonderfaktoren schwarze Zahlen - auf dem Heimatmarkt war GM erneut rot. Dem Autobauer gelang es, im operativen Geschäft seine Kassen wieder aufzufüllen. Allerdings befürchtet GM, im vierten Quartal, doch erneut Bargeld zu „verbrennen“.

Der weltweite Marktanteil von GM sei seit Jahresmitte ganz leicht auf 11,9 Prozent gestiegen. Dazu habe unter anderem der Astra von Opel beigetragen.

GM-Chef Henderson hat sein Interesse an Staatshilfen für die deutsche Tochter Opel bekräftigt. Zwar sei General Motors (GM) grundsätzlich in der Lage, das Europa- Geschäft rund um Opel allein zu finanzieren. „Wir würden aber bevorzugen, um Unterstützung für das Europa-Geschäft zu bitten“, sagte Henderson am Montag in einem Interview des amerikanischen TV-Senders Bloomberg.

GM werde einen entsprechenden Plan vorlegen, kündigte der Top-Manager an. Der Konzern sei derzeit dabei, diesen fertigzustellen.

Derweil berichtet das Wall Street Journal, dass GM zur Sanierung seiner europäischen Tochter 1,5 Milliarden Dollar aus eigener Kasse beisteuern muss. Weitere drei Milliarden Dollar möchte das Unternehmen bei den europäischen Regierungen und Gewerkschaften einsammeln. Damit sind erstmals die Grundzüge des Finanzierungskonzepts für Opel bekannt geworden.

Die Details des Sanierungsplan muss GM mit Opel-Betriebsratschef Klaus Franz verhandeln und dann den verschiedenen Regierungschefs präsentieren. Dem Bericht zufolge sei Opel fähig, alleine zu überleben. Allerdings sei zusätzliches Geld für die Sanierung nötig und um Opel für die Zukunft mit einem ausreichend dicken Kapitalpolster auszustatten.

Ob die veranschlagte Summe für die Sanierung des angeschlagenen Autobauers reicht, ist ungewiss. "Für mich hat GM weniger ein Kosten-, sondern mehr ein Produktproblem", sagte der Autofachmann Stefan Bratzel dem Branchenblatt "Automobilwoche". Mit Blick auf gegenwärtig erfolgreiche Opel-Autos fügte der Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach hinzu: "Da werden die Modelle Astra und Insignia bei Weitem nicht ausreichen." Die Entwicklung eines neuen Modells geht schnell in die Milliarden.

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