Finanzierungsvorteile
VW macht's billiger

Volkswagen, BMW und Daimler kommen derzeit so billig wie selten an Geld. Mit günstigen Zinsen für die Kunden drängen sie Konkurrenten wie Fiat oder Peugeot aus dem Markt – und retten so ihren Absatz in Westeuropa.
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DüsseldorfDie Absatzkrise der Autobauer in Westeuropa spitzt sich zu. Im dritten Quartal gingen die Verkäufe im Vorjahresvergleich um rund neun Prozent zurück. Nur noch gut 2,5 Millionen Wagen setzten die Hersteller in Westeuropa ab, zeigte eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zuletzt.

Während Peugeot, Opel, Renault, Ford oder Fiat schon länger mit Absatzprobleme kämpfen und einen Einbruch von bis zu einem Fünftel ihrer Verkäufe verkraften müssen, haben die Absatzprobleme nun auch die deutschen Hersteller erreicht. Ihr Minus beim Absatz ist aber vergleichsweise gering.

Daimlers Verkäufe in Westeuropa gingen um neun Prozent zurück, BMW kam auf ein Minus von fünf Prozent und Europas Absatzkönig Volkswagen sogar nur auf vier Prozent. Das hat einen handfesten Grund.

Die deutschen Autohersteller gelten bei Investoren als sicherer Hafen in unruhigen Zeiten. Das senkt die Zinsen, zu denen sich die Konzerne Geld besorgen können. VW und Co. kommen so günstig an Kapital wie noch nie, bestätigt eine Analyse der Commerzbank. Volkswagen und BMW können sich nach den Zahlen von Mitte Oktober zu Zinsen von zwei Prozent refinanzieren. Der Mercedes-Benz-Bauer Daimler bringt es auf einen Zinssatz von 2,1 Prozent.

Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre waren die Zinssätze der drei deutschen Hersteller doppelt so hoch. Deshalb greifen die Unternehmen gerne zu. In diesem Jahr haben Europas Autobauer bereits Anleihen im Volumen von 22 Milliarden Euro verkauft, wie Daten der Nachrichtenagenturen Bloomberg von Donnerstag zeigen. Am aktivsten ist VW. Mit rund 9,4 Milliarden Euro sind die Wolfsburger der größte europäische Anleihe-Emittent. Kein Wunder bei Zinssätzen, die unter denen von Staatsanleihen zahlreicher EU-Staaten liegen.

Ganz anders ist das Bild bei den kriselnden Autobauern des Kontinents. Renault muss 4,7 Prozent Zinsen berappen, Fiat 7,7 Prozent und PSA Peugeot Citroën stolze 8,5 Prozent. Die Refinanzierungskosten schlagen sich direkt im Geschäft nieder. Hier macht sich der Vorteil der deutschen Autobauer bezahlt. Mit günstigen Finanzierungsmodellen durch die hauseigenen Kreditinstitute sinkt die Hürde der Kunden, sich auch in finanziell schwierigen Zeiten für einen Neuwagen zu entscheiden.

Allein in Deutschland werden bis zu drei Viertel der Neuwagen per Kredit finanziert – in anderen Ländern Westeuropas ist das kaum anders. Vor allem VW nutzt die billigen Autokredite, um den Absatz stabil zu halten und die Marktanteile auszubauen. Im europäischen Ausland sollen die Wolfsburger dabei auch Null-Prozent-Finanzierungen angeboten haben – Fiat und Co. haben gegen derartige Angebote kaum eine Chance. Fiat-Chef Sergio Marchionne warnte bereits vor Monaten vor einem „Blutbad bei den Margen“.

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  • Das es noch weiße Flecken und dememtsprechend Absatzchancen gibt,nicht nur in Asien,ist den VW Verantwortlichen sicherlich schon mitgeteilt worden,auch schriftlich.Das VW eine clevere,für das Automobil lebende Führung hat ist ein Seegen für das Konzern.Jedoch bleiben so manche Dinge auf der Strecke,wo man sich Gedanken machen sollte.Auch sollte Konstruktive Kritik als solche angesehen werden ,und nicht der mitteilende geteert und gefedert werden.Insbesondere sollte diese auch beantwortet werden,damit man zeigt das man sich mit diesen Informationen auseinandergesetzt hat.Ansonsten kann es passieren das ein Vorgesetzter keine oder nur geschönte Informationen erhält,da die Untergebenen kuschen und ängstlich agieren.

  • Die augenblickliche Situation auf dem europäischen Automobilmarkt ist davon gezeichnet, dass sich eine langfristige Strategie und Mut zu Innovationen sich auszahlen. Die Volkswagengruppe hat nur eine Marke im PKW Bereich mit negativen Zahlen in der Bilanz und das ist Seat. Aber auch nur deshalb, weil sie per Definition den südeuropäischen Autogeschmack darstellen sollen und in Spanien ihren größten Markt haben, das, wie wir alle wissen, leidet. Seat hat seinen Verlust teilweise in Deutschland und Großbritannien kompensieren können aber nicht völlig. Vor allem aber auch BMW hat mit seiner langfristig angelegten Strategie weltweit Erfolg. Daimler ist am längsten im weltweiten Geschäft von Luxusautomobilen erfolgreich und kämpft im Moment damit den Anschluss an neue Zeiten nicht zu verlieren, was ihnen bisher in China nicht gelungen ist. Daimler muss noch begreifen, dass der moderne Konsument nicht mehr dankbar auf die Knie fällt, wenn eine Halterung des Tankdeckels erfunden wird, wie einst. Die Wettbewerber Audi und BMW haben viel getan, um die Luxuslimousinen zukunftsträchtig zu formulieren. VW ist im Kampf der Titanen mit GM und Toyota. Sowohl auf der Landkarte als auch im Produktportfolio hat VW noch weiße Flecken, z.B.
    Südost-Asien, im sog. Pacific-Rim oder mit Pickup's und preiswerten Minibussen, die in Asien einen großen Marktanteil ausmachen. Zieht man z.B. die Minibusse von Wuling in China aus dem Markenspektrum von GM ab, dann fällt der Marktanteil von GM deutlich. Aber auch Afrika, die Region der Erde mit dem meisten Potential und jährlichem Wachstum von über 10 % ist VW kaum vertreten, jedoch japanische und chinesische Hersteller. Hier werden simple und selbstreperaturfähige Pickup's, Busse und SuV's verlangt. Aber ich denke, VW wird das wissen.

  • War hier nicht vor 1 h noch der sarkastische Hinweis zu lesen, dass Draghi der italienischen Konkurrenz Fiat schon noch zu identischen Konditionen verhelfen werde?

    Angesichts der sehr fragwürdigen EZB-Politik und einer in Europa zu beobachtenden Tendenz zum Schuldensozialismus sollte doch ein solch zugespitzter Kommentar erlaubt sein. Eine vom Zensor festgestellte Unsachlichkeit kann ich hierin nicht erkennen.

    Freundlicher Gruss

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