
MÜNCHEN. Die Auseinandersetzung zwischen Siemens und der Beteiligungsgesellschaft Arques um den angeschlagenen Telefonhersteller Gigaset spitzt sich zu. Nach Angaben aus Finanzkreisen hat der Münchener Konzern den Finanzinvestor Ende Dezember vor einem Schiedsgericht verklagt. Siemens fordert von Arques 15 Mio. Euro Kaufpreis für seine ehemalige Tochter sowie 20 Mio. Euro als Restrukturierungshilfe für den Anbieter von Schnurlos-Apparaten. Arques lehnt die Ansprüche ab.
Siemens und Arques streiten sich wegen Gigaset schon seit einigen Monaten. Kurz vor Weihnachten kam es sogar zu einem Prozess vor dem Landgericht München. In einem Vergleich hatten sich damals der Elektrokonzern und Gigaset-Mehrheitseigentümer Arques darauf geeinigt, dass Gigaset-Chef Michael Hütten seinen Posten zum 15. Februar niederlegt.
Umstrittene Doppelrolle
Hütten ist gleichzeitig Vorstand bei Arques. Siemens hatte in der Doppelrolle einen Interessenkonflikt gesehen und gegen Hütten geklagt. Der Konzern forderte eine klare Trennung der Mandate, Hütten könne nicht beides sein, hieß es.
Jetzt sind beide Seiten erneut auf Konfrontationskurs. Diesmal tragen sie den Streit laut den Kreisen allerdings wie vertraglich vereinbart vor einem Schiedsgericht aus. Dabei geht es zum einen um eine Kaufpreisrate von 15 Mio. Euro, die ArquesSiemens laut Vertrag noch schulden soll. Das Geld wäre nach Ansicht von Siemens im Oktober fällig gewesen. Arques-Vorstand Gisbert Ulmke sagte gestern dem Handelsblatt, die Summe seit strittig, sein Unternehmen sei deshalb "in Gesprächen" mit Siemens. Dass es zu einem Verfahren vor einem Schiedsgericht komme, sei nicht auszuschließen. Eine Siemens-Sprecherin wollte sich nicht äußern.
Dazu kommen weitere 20 Mio. Euro, welche der Finanzinvestor Gigaset nach Ansicht von Siemens zur Sanierung zur Verfügung stellen muss. Hier sei Arques der Auffassung, dass es keinen solchen Anspruch gebe, sagte Ulmke. Der Manager ergänzte, es sei nicht nachvollziehbar, "warum Siemens eine so harte Tour fährt". In Branchenkreisen verlautete, Arques würden schlicht die Mittel fehlen, um die von Siemens geforderten Summen zu bezahlen.
Arques hält seit 2008 rund 80 Prozent an Gigaset, die restlichen Anteile gehören der ehemaligen Mutter Siemens. Der Hersteller von Schnurlostelefonen beschäftigt rund 1 800 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von mehr als einer halben Mrd. Euro.
Nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens sollten ursprünglich 140 Stellen abgebaut werden, um die Kosten zu drücken. Die Einschnitte seien nötig, um Gigaset wieder auf die Beine zu bringen. Weil Arques die Mittel für die Sanierung fehlten, liege der Plan derzeit aber auf Eis. Ulmke wollte sich zu den Umbauplänen nicht äußern. Auch ein Sprecher von Gigaset lehnte einen Kommentar ab. In Finanzkreisen verlautete, Arques zögere die Restrukturierung hinaus, weil die Beschäftigten bis Sommer zu mit Siemens ausgehandelten Konditionen abgefunden werden müssten.
Siemens hat sich in den vergangenen Jahren von seiner Kommunikationssparte fast komplett getrennt. Branchenkenner vermuten, dass der Konzern bei Gigaset nun unbedingt ein Debakel wie mit BenQ vermeiden möchte. Der Taiwaner Elektronikkonzern hatte von Siemens das Handygeschäft übernommen. Nach einem Jahr mussten die Asiaten für ihren deutschen Ableger bereits Insolvenz anmelden.