Finanzinvestoren agieren
Hochtief droht die Zerschlagung

Der Baukonzern Hochtief ist in das Fadenkreuz von Finanzinvestoren geraten. Denn der deutsche Branchenprimus ließe sich leicht zerlegen und in Einzelteilen weiterverkaufen. Das dürfte einen ordentlichen Profit abwerfen, was an der Struktur von Hochtief liegt.

agr/rob/scm DÜSSELDORF. Auf der Interessentenliste der Investmentbank Rothschild, die Hochtief-Großaktionär August von Finck gestern mit dem Verkauf seiner 25,08-Prozent-Beteiligung beauftragt hat, stehen offenbar nur Private-Equity-Gesellschaften, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr. Nicht dabei sei aber die australische Bank Macquarie, die sich vor zwei Jahren für Hochtief interessiert hatte. Erwartet wird, dass die Investmentbank Babcock & Brown, wie Macquarie einer der großen Infrastruktur- und Immobilienfinanzierer, unter den Interessenten ist. Damit erhalten Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns erneut Auftrieb, meinen Analysten. Der Deal stehe noch ganz am Anfang, hieß es. Es dürfte noch Monate bis zu einer Entscheidung dauern. An der Börse legte die Hochtief-Aktie weiter deutlich zu.

Finanzkonzerne und Fonds bringen sich aber bereits in Stellung. Erst kürzlich gab die britische Schroders bekannt, dass sie mit einem Anteil von knapp vier Prozent beteiligt ist. Hochtief selbst hält 6,87 Prozent der Anteile. Der Rest liegt in Streubesitz.

Wettbewerber aus der Baubranche sind offenbar nicht unter den Interessenten. Hochtief-Konkurrent Bilfinger Berger hat auch bereits abgewinkt. „Wir haben kein Interesse an einer Übernahme des Aktienpakets von Custodia“, bekräftigte ein Sprecher des Mannheimer Baukonzerns. Weitere potenzielle Interessenten wie die französische Vinci oder spanische Baukonzerne zeigten sich ebenfalls desinteressiert und wollten Gerüchte nicht kommentieren.

„Wettbewerber haben, wenn überhaupt, nur Interesse an Teilen von Hochtief“, meint Marc Nettelbeck, Analyst der LBBW. „Aber auch die Übernahme der 25 Prozent dürfte für Finanzinvestoren nur der Einstieg sein.“ Der Kauf rechne sich nur, wenn ein Investor anschließend ein Übernahmeangebot für den gesamten Konzern vorlege, um ihn in Einzelteilen teurer weiterzuverkaufen. Hochtief gilt als leicht zerlegbar, insbesondere das regional aufgeteilte Baugeschäft. Synergien zwischen der US-Tochter Turner, Leighton in Australien und dem Baugeschäft in Europa gibt es kaum. Spanische Baukonzerne etwa könnten Interesse an einem Einstieg in den USA oder Australien haben. Auch Bilfinger wäre dann wohl wieder im Gespräch, etwa für Dienstleistungsbereiche.

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