Finanzinvestoren
Stecken geblieben im Chemie Morast

Die heftige Flaute in der Chemie entlarvt viele Engagements von Private-Equity-Firmen als Fehlinvestitionen. Etliche Finanzinvestoren mussten für die Unternehmen der Branche in den vergangenen Monaten bereits entweder frisches Kapital aufbringen, neue Eigner akzeptieren oder diese sogar komplett aufgeben.
  • 0

FRANKFUR/HAMBURG. Während die Chemieindustrie allmählich Licht am Ende des Konjunkturtunnels sieht, kämpfen sich etliche Private-Equity-Firmen in der Branche nach wie vor durch schwierige Aufräumarbeiten. Damit sie ihre Gläubiger bei der Stange halten können, müssen ihre Chemiebeteiligungen zum Teil schmerzhafte Zugeständnisse machen.

Eine entsprechende Entwicklung zeichnet sich nun unter anderem auch bei den zu Advent International gehörenden Chemieunternehmen Vinnolit und H.C. Starck ab. Beide Unternehmen sind offenbar in akuter Gefahr, gegen Kreditauflagen zu verstoßen und verhandeln derzeit mit ihren Gläubigerbanken. Advent International wollte sich zu diesen Gesprächen nicht äußern. Nach Informationen aus dem Umfeld der Unternehmen geht es dabei bislang allerdings nicht um eine komplette finanzielle Restrukturierung oder frisches Kapital, sondern ausschließlich um eine Modifikation der sogenannten Covenants, also der Nebenbedingungen in den Kreditverträgen.

Schwache Finanzlage

Dessen ungeachtet werfen die beiden Fälle ein bezeichnendes Licht auf die insgesamt heikle Situation bei vielen hochverschuldeten Chemiefirmen im Portfolio von Finanzinvestoren. Aufgrund ihrer schwachen Finanzstruktur werden sie von der Flaute tendenziell härter getroffen als die meisten börsennotierten und in der Regel besser finanzierten Konkurrenten.

"Für viele dieser Unternehmen ist die Schuldenlast einfach erdrückend", meint Tobias Mock, Chemieexperte der Ratingagentur Standard & Poor's. Etliche Finanzinvestoren mussten daher für ihre Chemieunternehmen in den vergangenen Monaten bereits entweder frisches Kapital aufbringen, neue Eigner akzeptieren oder sogar komplett aufgeben.

Dazu gehört etwa der insolvente Textilfarbenhersteller Dystar, der sich im Besitz des US-Fonds Platinum Equity befindet. Der Folienhersteller Treofan konnte nur durch die Umwandlung einer Anleihe von 170 Mio. Euro in Aktien den Kopf aus der Schlinge ziehen und musste die italienische Management & Capitali als neuen Großaktionär akzeptieren. Beim ungarischen Kunststoffhersteller Borsodchem, den die britische Private Equity Gruppe Permira 2006 für rund 1,6 Mrd. Euro erworben hatte, gelang dem chinesischen Konzern Wanhua Industrial mit einem ähnlichen Manöver der Einstieg. Im Rahmen einer Refinanzierung von mehr als einer Mrd. Euro Finanzschulden einigten sich Borsodchem, Permira und Wanhua Mitte Oktober auf eine Grundsatzvereinbarung, wonach die Chinesen mittelfristig eine Rolle als Minderheitseigner spielen.

Dem ebenfalls hochverschuldeten britischen Konzern Ineos gelang es zur Jahresmitte zwar, eine neue Vereinbarung mit seinen mehr als 200 Kreditgebern auszuhandeln - er musste dabei allerdings höhere Zinsmargen und Kreditkosten zugestehen. Eine ähnliche Lösung zeichnet sich nun offenbar auch für die Chemie-Engagements von Advent ab.

Vinnolit, ein führender Hersteller von PVC, wird unter anderem vom Einbruch der Baukonjunktur getroffen. "Der PVC-Markt ist extrem schwierig und derzeit sicherlich ein Bereich, in dem man besser nicht engagiert ist", sagt Kreditanalyst Jochen Schlachter von Unicredit.

Seite 1:

Stecken geblieben im Chemie Morast

Seite 2:

Kommentare zu " Finanzinvestoren: Stecken geblieben im Chemie Morast"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%