Finanzinvstoren
Kauflust treibt die Preise für Chemiefirmen in die Höhe

In der Chemiebranche gewinnt die Übernahmewelle an Schwung. Ähnlich wie vor sechs Jahren laufen Käufer jedoch Gefahr, hohe Preise in einer Phase zu zahlen, in der die Margen gerade ein konjunkturelles Hoch erreichen.

FRANKFURT. Die Übernahmewelle in der Chemiebranche gewinnt an Schwung. Davon gehen Branchenkenner aus, die in den vergangenen Tagen auf der Handelsblatt-Tagung Chemie über die Entwicklung in der Industrie diskutierten. Das Volumen der Transaktionen dürfte zwar kaum an den Akquisitions-Boom der späten 90er-Jahre heranreichen.

Allerdings nähern sich die gezahlten Preise für Chemie-Unternehmen inzwischen dem damaligen Niveau. „Für Käufer wird es damit zunehmend komplizierter und schwieriger, Wertsteigerungen bei den Engagements zu generieren“, erwartet Thomas Rings, Chemieexperte und Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Rings verweist darauf, dass inzwischen wieder mehr als das Zehnfache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gezahlt wird, ähnlich wie in den Jahren 1999 bis 2001. Gleichzeitig bewegen sich die Erträge vieler Chemiefirmen auf einem relativ hohen Niveau. Ähnlich wie vor sechs Jahren laufen Käufer Gefahr, hohe Preise in einer Phase zu zahlen, in der die Margen gerade ein konjunkturelles Hoch erreichen.

Hintergrund der Entwicklung ist die Tatsache, dass außer Finanzinvestoren in jüngerer Zeit auch so genannte „strategische“ Investoren, das heißt Unternehmen aus der Branche, wieder verstärkt als Käufer auftreten. BASF etwa ist derzeit dabei, über eine Serie von Akquisitionen die Chemieaktivitäten zu verstärken. Der US-Konzern Huntsman setzte sich beim Wettbewerb um die Sparte Textilfarben der Schweizer Ciba Spezialchemie durch. Relativ aktiv sind darüber hinaus Firmen, die zuvor aus Transaktionen von Private Equity Fonds hervorgegangen sind. Auch bei dem Verkauf der beiden Bayer-Töchter Wolff Walsrode und H.C. Starck dürften Finanzinvestoren und industrielle Interessenten anklopfen.

Tendenziell zielen Chemiekonzerne weiter eher auf Spezialisierung und den globalen Ausbau in einzelnen Kerngeschäftsfeldern. „Ich glaube nicht an große Merger, sondern sehe eher eine weitere Fokussierung in der Chemiebranche“, sagt Ciba-Chef Armin Meyer. Entsprechende Strategien verfolgten in den letzten Jahren auch Firmen wie DSM, Akzo, Celanese und auch Bayer. Ein anderes Beispiel lieferte die Finanzgruppe CVC, die aus BASF Drucksystemen, der niederländischen Firma Ixys und der amerikanischen Flint-Gruppe den zweitgrößten Hersteller von Druckfarben formte.

Andererseits haben etliche von Finanzinvestoren getragene Spezialchemiefirmen nicht gezögert, ihr Produktspektrum durch Akquisitionen zu verbreitern. Typische Beispiele sind etwa die von der Private-Equity-Gruppe Apollo kontrollierte Hexion oder der von KKR unterstützte US-Konzern Rockwood, der 2004 die Chemie-Aktivitäten von MG Technologies übernommen hatte. Der britische Investor und Chemiemanager Jim Ratcliffe schuf durch eine Serie von Zukäufen aus der nahezu unbekannten Firma Ineos innerhalb weniger Jahre den drittgrößten Chemiekonzern der Welt mit 33 Mrd. Dollar Umsatz. Zuletzt erwarb er die große Chemiesparte des Ölkonzerns BP.

Vor allem bei großen Akquisitionsobjekten sehen Fachleute aus der Branche gewisse Vorteile bei industriellen Käufern, da sie eher Synergien realisieren könnten als Finanzinvestoren. Anders sieht es bei vielen kleinen Chemiesparten aus, die im Zuge der Konzentrations-Strategien auf die Verkaufslisten geraten. „Das sind oft die ungeliebten Kinder in den Großkonzernen“, sagt Rockwood-Chef Seifi Ghasemi.

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