Finanzkonsortium steigt ein: Balance bei EADS bis 2010 gewahrt

Finanzkonsortium steigt ein
Balance bei EADS bis 2010 gewahrt

Der Autokonzern Daimler-Chrysler erhält durch den Verkauf von 7,5 Prozent der EADS-Anteile an ein Konsortium aus 15 Banken eine Finanzspritze von 1,5 Mrd. Euro. Mit dem Verkauf hat ein seit Oktober 2006 andauerndes Tauziehen um die Umschichtung der Anteile am europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern ein Ende gefunden.

ink/fas/mwb STUTTGART/MÜNCHEN. Herausgekommen ist eine komplizierte Konstruktion, die die deutsch-französische Balance zumindest bis 2010 garantieren soll. Daimler-Chrysler gibt seine gesamten 22,5 Prozent EADS-Anteile in eine Gesellschaft, an der das Konsortium (u.a. Deutsche Bank, Allianz, Commerzbank, Credit Suisse, Goldman Sachs) mit einem Drittel beteiligt wird. Die Stimmrechte bleiben aber komplett bei Daimler. Dafür erhält das Konsortium wie ein Vorzugsaktionär einen Aufschlag von 75 Prozent auf die EADS-Dividende, der letztlich von Daimler-Chrysler bezahlt wird, weil das Unternehmen auf seine 15 Prozent Anteile nur 0,625 Prozent der Dividende ausgezahlt bekommt.

Diese Konstruktion ist laut Bankenkreisen für Daimler teuer. Sie gehen deshalb davon aus, dass bis Juli 2010 eine neue Lösung für das Paket gefunden wird. Auch in Regierungskreisen verlautet, es werde weiterhin ein industrieller Investor mit langfristigen Interessen gesucht. In der Bundesregierung sieht man mit der Zwischenkonstruktion aber zwei Ziele erreicht: Bis 2010 herrscht Stabilität und der bisherige Aktionärskreis behält mehr als 50 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Dies wird sowohl in Berlin wie Paris für wichtig gehalten, um Wünsche des spanischen EADS-Partners nach einer Aufstockung seiner Anteile genauso wie das russischen Wunsch nach einem Einstieg in das Rüstungsunternehmen abwehren zu können.

Die Vereinbarung sieht nun vor, dass die Bundesregierung ein Vorkaufsrecht hat, falls nach dem 1. Juli 2010 Aktien aus dem 7,5-Prozent-Paket der Investoren verkauft werden. Nimmt Deutschland das Recht nicht wahr, könnte die französische Seite ihren Anteil weiter aufstocken.

Bis zum 1. Juli 2010 können zudem keine Anteile der Investorengruppe nach außen gelangen: Ein Investor darf seine Anteile bis dahin nur an seine Mitinvestoren verkaufen. Erst nach 2010 können Anteile auch an Dritte gegeben werden. Wird allerdings schon vor 2010 ein industrieller Großinvestor gefunden, soll dieser bereits vorher einsteigen dürfen.

Der Einstieg des Konsortiums kommt für die EADS in einer kritischen Phase. Das Unternehmen steht wegen der Lieferprobleme beim Riesenairbus A380 mit dem Rücken zur Wand; die Verzögerungen kosten mindestens fünf Mrd. Euro. Zudem drückt der Dollar auf die Margen: Die US-Währung ist in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gefallen und Airbus hat praktisch keine Kurssicherungen mehr. Ging das Unternehmen ursprünglich für 2006 von einem Vorsteuergewinn von 3,2 Mrd. Euro aus, so drohen der EADS jetzt rote Zahlen.

Deshalb hat EADS seiner Flugzeugtochter Airbus ein radikales Sanierungsprogramm verordnet. Es soll die Produktionskosten ab 2010 um zwei Mrd. Euro pro Jahr senken. Zur Debatte steht der Verkauf von fünf Komponentenwerken in Europa; in Deutschland könnten die Werke Nordenham und Varel betroffen sein. Außerdem soll die Endmontage in Hamburg ausgedünnt werden. Die IG Metall fürchtet, dass von den 22 000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis zu 8 000 gestrichen werden könnten. EADS-Chef Louis Gallois will seine Pläne am 20. Februar den Gewerkschaften vorlegen.

Am Montag treffen sich Vertreter des Bundes und der betroffenen Bundesländer, um eine gemeinsame Linie zu beschließen, die Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gegenüber der Spitze des Mutterkonzerns EADS vertreten soll. Ziel ist ein Forderungskatalog zur Sicherung der Standorte.

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