Finanzkräftige Anbieter suchen in der Branche nach Gelegenheiten für Akquisitionen
Chemiefirmen setzen auf Innovationen

Mehr Innovationen, konsequente Kostenorientierung und der Mut zum Engagement in den Wachstumsmärkten der Zukunft sind die Wege, die Europas Chemische Industrie aus ihrer aktuellen Wachstumsdelle herausführen können.

abo BAD HOMBURG. Dies sagten Vertreter führender europäischer Chemiekonzerne bei der Handelsblatt-Jahrestagung für die Chemische Industrie. Jedoch müsse auch die Politik einen Beitrag dazu leisten, dass die Chemie als Basisindustrie nicht leidet, mahnte der Präsident des Branchenverbandes VCI, Jürgen Hambrecht.

Der BASF-Chef forderte von der Politik „ein klares Bekenntnis zu den Zielen Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum“. Denn in Zukunft werde das Wachstumspotenzial der Chemie weltweit unter dem allgemeinen Wirtschaftswachstum liegen. In der dritten Welt, vor allem in China, werde der Chemieabsatz stark zunehmen, in den Industrieländern bestenfalls stagnieren.

Bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney beobachtet man, dass immer mehr Großkunden der Chemie Teile ihrer Produktion nach Asien verlagern. „Die Chemische Industrie wird ihren Kunden wahrscheinlich folgen“, sagt Berater Sven-Uwe Vallerien. Zudem würden neue Wettbewerber aus den Wachstumsregionen bald nach Europa drängen.

Gegen den zunehmenden Wettbewerb behauptet sich die Chemie nach Aussage von BASF-Chef Hambrecht mit hohen Investitionen etwa China, aber auch mit ihrer Innovationskraft. Sie stecke pro Jahr 8 Mrd. Euro in die Forschung und setze 20 Mrd. Euro mit Innovationen um – ein Achtel der Gesamterlöse der Branche in Deutschland. BASF kooperiere mit 1 100 Partnern. „Um dem externen Druck Stand zu halten, muss sich die Chemie auf ihre Kernkompetenzen besinnen“, ergänzte Bernhard Hofmann, Vorstandsmitglied der Degussa AG.

Die stärkeren Chemieunternehmen sind schon wieder auf Suche nach Akquisitionsgelegenheiten. BASF beabsichtigt, ihr Portfolio durch vorwiegend kleinere Zukäufe zu ergänzen, sagte Hambrecht am Rande der Tagung. Der Erwerb des Pflanzenschutzmittels Fipronil von Bayer für rund 1 Mrd. Euro sei eher ein Ausreißer gewesen. Mit einer Eigenkapitalquote von 46 % habe BASF ausreichend Spielraum zur Finanzierung von Zukäufen.

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