
hz/ HB DETROIT. Um die Krise zu überleben werde GM die Einführung neuer Modelle verschieben, die Produktion herunterfahren und weitere Stellen abbauen. "Noch nie dagewesene Turbulenzen in der Wirtschaft und am Kreditmarkt haben die Ergebnisse von GM und der Autobranche dramatisch beeinflusst", erklärte der Konzern. Die Lage sei so schlimm wie seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren nicht mehr.
Allein im abgelaufenen Quartal verringerten sich die verfügbaren Geldmittel bei GM um 6,9 Mrd. Dollar. Per Ende September betrug der Bestand noch 16,2 Mrd. Dollar. GM hat wiederholt erklärt, der Konzern brauche ständig elf bis 14 Mrd. Dollar, um die Autosparte am Laufen zu halten und Zulieferer zu bezahlen.
Es sei absehbar, dass die Liquidität bis Jahresende so weit abschmelze, dass sie zur Aufrechterhaltung der Geschäfte gerade noch ausreiche, warnte GM. "Mit Blick auf die ersten beiden Quartale 2009 gehen wir selbst bei der Umsetzung laufender Programme zur Kostensenkung davon aus, dass die Liquidität deutlich unter die notwendige Höhe fallen wird." Dies sei nur zu verhindern, wenn sich die Wirtschaftslage und die Situation für die Autobranche massiv verbessere.
GM benötige hohe Einnahmen aus dem Verkauf von Vermögenswerten, einen besseren Zugang zum Kapitalmarkt oder zu anderen Geldgebern oder weitere staatliche Hilfen. Das Kreditpaket der US-Regierung über 25 Mrd. Dollar sei wichtig, reiche aber nicht aus, sagte GM-Chef Rick Wagoner. "Es muss aber weitere Maßnahmen geben."
GM schloss betriebsbedingte Kündigungen in Nordamerika nicht aus. Bei Opel in Rüsselsheim hieß es am Freitagabend, es liefen weite Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmervertretern. "Es geht darum, das operative Geschäft in Europa der Nachfrage anzupassen." Opel hatte schon in den vergangenen Wochen die Bänder in vielen westeuropäischen Werken stillstehen lassen, um die Produktion zu drosseln.
Netto wies GM im abgelaufenen Quartal ein Verlust von 2,5 Mrd. Dollar aus, was 4,45 Dollar pro Aktie entsprach. Der Umsatz fiel um rund 13 Prozent auf 37,9 Mrd. Dollar. Analysten hatten einen Verlust pro Aktie von 3,70 Dollar und 40,1 Mrd. Dollar Umsatz erwartet. Weltweit wurden mit 2,1 Mio. Autos elf Prozent weniger als vor Jahresfrist verkauft. In Westeuropa sank der Absatz um 12,3 Prozent.
GM leidet wie alle Autobauer unter der Kreditklemme infolge der Finanzkrise und einbrechenden Verkaufszahlen. Dabei konnte GM einer raschen Nachfrageverschiebung hin zu verbrauchsarmen, kleineren Autos nicht folgen. Für 2009 nahm GM am Freitag seine Prognose für den US-Absatz über alle Hersteller hinweg auf 11,7 Mio. und für 2010 auf 12,7 Mio. Fahrzeuge zurück. 2007 wurden auf dem US-Markt noch 16,1 Mio. Autos verkauft.
Eine Fusion mit dem Wettbewerber Chrysler, über die zuletzt spekuliert worden war, ist vorerst vom Tisch. Ein Zukauf habe in der näheren Zukunft keine Priorität, sagte Wagoner. Vorrang hätten Schritte, mit denen im Verlauf des Jahres 2009 etwa 20 Mrd. Dollar Liquidität freigesetzt werden sollen.
Der Börsenkurs des Unternehmens brach nach Bekanntgabe der Zahlen ein. GM-Aktien verloren am Freitag bis zu 15 Prozent auf 4,05 Dollar.
Die Verluste in Europa führten unterdessen zu einem Streit bei GM. Die europäische Belegschaft von General Motors(GM) läuft nun Sturm gegen die Konzernzentrale in Detroit. "GM schiebt derzeit massiv Verluste aus den USA nach Europa ab, um Druck auf die europäischen Belegschaften auszuüben", sagte Klaus Franz, oberster Arbeitnehmervertreter von GM in Europa, dem Handelsblatt. So rechne GM die Verluste der schwedischen Tochter Saab in den USA der Sparte in Europa in die Bücher, während die Gewinne der Marke Chevrolet in Europa dagegen bei GM in Asien abgerechnet würden. "Wir müssen damit die Zeche mitbezahlen dafür, dass der Markt für GM in den USA derzeit dramatisch einbricht", klagte der stellvertretende Opel-Aufsichtsratschef.
Die Zahlen, die GM am Freitag vorgelegt habe und die allein für das Europageschäft ein Minus von rund einer Milliarde Dollar auswiesen, vermittelten ein "völlig schiefes Bild". Die GM internen Verrechnungsmethoden spiegelten nicht die Leistung der Beschäftigten und der Unternehmen in Europa wider, kritisierte Franz. "Der europäische Betriebsrat und der Vorstand von GM in Europa werden nun umgehend Gespräche aufnehmen, um Einsparungen entlang der Wertschöpfungskette zu finden." Mit einem massiven Insourcing, also der Rückholung von fremd vergebenen Aufträgen, in Entwicklung, Administration und Produktion wollen die Belegschaftsvertreten nun sicherstellen, dass kein Personal abgebaut werde. "Der europäische Betriebsrat wird nicht über die Kompensation von Verlusten verhandeln, die nicht hier entstanden sind", stellte Franz bereits klar.
GM-Europapräsident Carl-Peter Forster sprach von einem äußerst brutalen Quartal. Zu sagen, dass das Management mit dem Ergebnis nicht zufrieden sei, sei eine maßlose Untertreibung, erklärte Forster. Die Marktbedingungen blieben schwierig. GM müsse nun sicherstellen, dass das Unternehmen in der Lage sein werde, von dem Wachstum zu profitieren, sobald sich die Märkte wieder stabilsierten, kündigte der Manager in einem GM-Blog an.
-Konkurrent Ford hatte am Freitag im Europa-Geschäft im dritten Quartal noch einen kleinen Vorsteuergewinn von 69 Mill. Dollar nach einem Plus von 293 Mill. Dollar ein Jahr zuvor erzielt. Der Opel-Mutterkonzern GM, Ford und Chrysler haben die US-Regierung laut Berichten um 50 Mrd. Dollar an zusätzlichen Krediten gebeten. Der deutsche Kreditversicherer Euler Hermes hat unterdessen den Versicherungsschutz für Lieferanten von Ford und GM aufgehoben. Der Schritt bedeutet, dass Zulieferer sich bei Euler Hermes nicht mehr gegen Zahlungsrisiken in Geschäften mit Opel und Ford versichern können.