Finanzkrise
Insolvenzverfahren gegen deutsche Lehman eröffnet

Zwei Monate nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers ist über den deutschen Ableger des Instituts das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Einen Insolvenzverwalter gibt es auch schon.

HB FRANKFURT. Grund ist die Überschuldung der Lehman Brothers Bankhaus AG in Frankfurt infolge der Pleite des New Yorker Mutterhauses im September. Das Amtsgericht Frankfurt setzte mit der am Freitag veröffentlichten Entscheidung den Rechtsanwalt Michael C. Frege als Insolvenzverwalter ein. Das Institut hat nach früheren Angaben Verbindlichkeiten von rund 11 Milliarden Euro gegenüber institutionellen Kunden.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte den Insolvenzantrag gestellt, dem das Gericht am Donnerstag zustimmte. Für Tausende geschädigte Besitzer von Lehman-Inhaberschuldverschreibungen hat die Entscheidung aber zunächst keine Bedeutung.

Unmittelbar nach der Lehman-Pleite hatte die BaFin die Konten der deutschen Tochter mit Niederlassungen in London, Mailand und Seoul bereits eingefroren. Am 28. Oktober stellte die Bundesbehörde den Entschädigungsfall fest, so dass die meist institutionellen Anleger auf Entschädigung hoffen dürfen.

Bei den wenigen Privatanlegern der deutschen Lehman-Bank greift zunächst die gesetzliche Sicherung von bis zu 20.000 Euro, während sich die großen institutionellen Anleger wie zum Beispiel die Deutsche Rentenversicherung an den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken halten können. Hier liegt die Grenze der Entschädigung pro Anleger bei 285,1 Millionen Euro. Die Anleger seien angeschrieben worden, erklärte der Verband in Berlin, ohne nähere Details zu nennen.

„Inhaberschuldverschreibungen sind nachrangige Insolvenzforderungen. Die Leute müssen sich ganz hinten anstellen“, sagte der Frankfurter Anlegeranwalt Klaus Nieding. Die Deutsche Lehman-Tochter habe ohnehin nur sehr wenige Zertifikate herausgegeben, während die Masse über eine Gesellschaft in den Niederlanden gelaufen sei und von der US-Mutter garantiert wurden. Ausschließlich für Inhaber deutscher Zertifikate prüfe er derzeit die Möglichkeit einer gesonderten Versammlung, um einen Sitz im Gläubigerausschuss zu erlangen, sagte der Anwalt.

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